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Traum

Hendrik rieb sich verwundert die Augen. Er blickte in einen Himmel voller Sterne.
Ein paar Sternschnuppen waren hier und da zu sehen. Er sah sich um und erkannte, dass dies wohl ein Traum war. War es?
Er saß auf einer Parkbank in einem Park, den er zuvor nie gesehen hatte.
Bis auf das Zirpen der Grillen war nichts zu hören. Langsam ließ Hendrik seinen Blick über die Wiesen vor ihm gleiten. Eine wunderschöne Gestalt bewegte sich langsam auf ihn zu.
Ein Engel? Sie winkte ihm lächelnd zu. „Bunny!“ rief er laut und sprang von der Parkbank.

„Hendrik“, sagte sie und breitete die Arme aus, als sie nur wenige Schritte von ihm entfernt war. „Ich habe Dich vermisst. Du warst lange nicht hier an unserem Platz.“
Er schloss sie in die Arme und atmete ihren Duft ein. Obwohl die Wiesen blühten, roch Bunny nach Zimtstangen. Hendriks liebster Duft.
„Komm, setzen wir uns“, sagte er und deutete mit der Hand auf die Parkbank.
So saßen sie da und blickten gemeinsam in die Sterne, und langsam griff Bunny nach seiner Hand. Er wagte es nicht sie anzusehen, zu sehr fürchtete er, der Moment, der Traum würde dadurch zerplatzen wie eine Seifenblase. Zu viele dieser Träume hatte er bereits gehabt.
Er wollte, dass dieser andauerte, so lange es nur ging.

„Bist du bereit über die Sache zu reden?“ fragte Bunny und drückte seine Hand fester.
„Was meinst Du, über was reden?“ gab Hendrik ehrlich verwundert zurück.
Er sah sie fragend an.
„Na, dass Du ganz offensichtlich Angst hast, mich zu verlieren.“
„Habe ich das nicht bereits, Dich verloren?“
„Wir sind jetzt zusammen, Hendrik. Beantworte Dir die Frage selbst.“
Als Worte nicht mehr genug waren, genau in dieser Sekunde, beugte sich Hendrik zur Seite, beide Hände umschlossen sanft Bunnys Gesicht, als er sie sanft küsste.
Der Moment flog nicht vorbei, er wurde immer intensiver, bis ihre Lippen sich langsam wieder voneinander entfernten und sie sich tief in die Augen sahen.
Bunnys Augen strahlten und Hendrik dachte, wie klischeehaft genau diese Beschreibung doch war. Verzaubert sah er sie an, bewunderte ihre Schönheit. Ohne Worte, bis sie das
Schweigen brach: „Ich wünschte, es könnte immer so sein, Hendrik. Jeden Tag“,
sagte sie leise und sah dabei in den Himmel. Ihre Augen folgten einer Sternschnuppe, die genau in jenem Moment ihren Weg über den Himmel beschrieb.

Ein lautes Klopfen ließ Hendrik hochfahren. Seine Seifenblase zerplatzte.
„Hey, hey Junge! Solltest Du nicht auf dem Weg nach Hause sein?“, fragte ihn der Mann, den er als Hausmeister der Klinik erkannte. Dabei musterte er ihn durch das Beifahrerfenster von Hendriks Wagen.
„Du verschläfst noch deinen freien Abend“, setzte er nach.
Hendrik sah ihn mit erstaunter Miene an: „Ja, ja, bin schon weg. Versprochen, ich fahre gleich“, antwortete er noch immer erstaunt.
Mit einem Grummeln ging der Hausmeister seiner Wege, drehte sich aber nochmals lächelnd und kopfschüttelnd zu Hendrik um.

Hendriks erster Blick fiel auf sein Smartphone. Eine Reihe unbeantworteter Nachrichten waren dort und er nahm nicht an, dass er Lust hatte, diese zeitnah zu beantworten.
Am liebsten hätte er das Fenster geöffnet und das Gerät soweit über den Parkplatz geworfen, wie es nur möglich war. Er startete seinen Wagen und als er dabei war, sein Telefon in die vorgesehene Halterung zu stecken, sah er etwas, dass ihn zutiefst erschütterte. Das heutige Datum: 13.11.2017, 20:46 Uhr.

Traum oder Trauma?

Halloween: Eine Frage der Perspektive

Anastasia war noch nicht lange ein Geist, gerade mal 134 Jahre, 6 Monate und 4 Tage.
Gedankenverloren saß sie auf einem der Grabsteine und ließ die Seele baumeln.

„Natürlich, das macht auch Sinn, einen Körper habe ich keinen mehr, Du einfallsreicher Geschichtenerzähler. Seele baumeln lassen. Dass ich nicht lache!
Hast Du mal daran gedacht, Dich mit Deinen geistreichen Dialogen bei RTL zu bewerben, hä?“

Sie sprang zornentbrannt auf. Sie schwebte. Ich meine, sie dematerialisierte…

„STOPP! Also mal ehrlich, ich erzähle meine Geschichte selbst, Du alberner Wicht!
Liebe Zuhörer, mein Name ist Anastasia. Zumindest war das mein menschlicher Name.
Als ich erwachte, nachdem ich gestorben war, stellte ich fest, dass ich kein Spiegelbild mehr hatte.
Dies und mein Tod waren die schlimmsten Dinge, die mir jemals widerfahren sind. Ich mochte mein Äußeres sehr, bis mich eine hässliche Krankheit, deren Namen ich nicht kenne, dahinraffte. Alles ging ganz schnell. Manchen, nämlich meiner bösen Stiefmutter und meiner Stiefschwester, nicht schnell genug. Nicht nur waren sie beide böse Menschen, sie waren auch noch hässlich dazu.
Ich sage Euch, das ist erfreulich. Viele Menschen habe ich kennengelernt, die äußerlich wahre Prachtstücke waren. Jedoch in ihnen drin, oh ja, ganz schlechte Wertung.
Jedenfalls möchte ich noch so viel sagen, bevor unser Erzähler Euch weiter langweilen darf:
Das Leben als Geist ist scheiß-langweilig! Früher war es noch ganz interessant, Leute zu erschrecken, aber auch das läuft heutzutage nur noch schleppend. Durch den großen globalen Grusel-Hype, ganz besonders heute an Halloween, sind diese Menschen ja durch nichts mehr zu erschrecken!
LANGWEILIG!
So, nun lasst mich in Ruhe und seht Euch ein wenig auf dem Friedhof um. Meine Gesprächszeit ist beendet. Es ist ja nicht so, dass ich nicht eine Ewigkeit Zeit hätte.“

„Hey, bist Du ein echter Geist?“ Jemand tippte Anastasia auf die Schulter.
Ein greller Schrei entfuhr ihr. Nicht etwa dem Mädchen, das sie angetippt hatte, sondern Anastasia:
„Huaaaaaah! Du kannst mich sehen, Kleine?“ stieß sie hervor.
„Ja, klar und deutlich“, sagte das Kind achselzuckend.
„Das-, das ist unglaublich. Du solltest mich überhaupt nicht sehen können“, erwiderte die Geister-Frau erstaunt.
„Muss man Euch Geistern denn alles erklären? Heute ist HALLOWEEN. Die Nacht, in der die Welt der Toten mit der Welt der Lebenden zusammentrifft. Ist doch glasklar, weshalb ich dich sehen kann“, sagte die Kleine und rollte gespielt mit den Augen.

„Du hast mich erschreckt, Kind! Geh und hol Dir ein paar Süßigkeiten bei den Nachbarn, die nur Süßes verteilen, damit ihre verzogenen Kinder von Deinen Eltern etwas bekommen.“
„Ja, da hast Du wohl recht. Hier gibt es weder Süßes noch Saures. Dafür entweder Pest oder Cholera“, zischte das Mädchen.
Gerade als Anastasia das Mädchen für seine scharfe Antwort beglückwünschen wollte, war sie verschwunden. Keine Spur mehr von ihr. Als hätte sie sich in Luft aufgelöst.
‘Können Menschen so schnell verschwinden? Pest oder Cholera, ha, das ist wirklich gut‘, grübelte sie.
„Diese Menschen und ihr albernes Halloween, wirklich anstrengend. Der wahre Horror trägt Skelettkostüm in Kindergröße“, schnaufte sie genervt und schwebte davon. Denn genau das ist es, was Geister tun.

Hoch verschuldet?

Kennt Ihr das Gefühl, dem Schicksal etwas schuldig zu sein?
Eben jenes Gefühl, das uns überkommt, wenn wir besonders glücklich sind.
Einige werden sagen, dass dies mit unserer eigenen Wertvorstellung oder ja, unserem
Selbstwertgefühl zu tun hat. Wer sich selbst liebt, ist in der Lage, Gutes, das ihm widerfährt, willkommen zu heißen, es auszukosten und durch keinen negativen Gedanken trüb werden zu lassen. Angeblich.

Vielmehr ist es doch so, dass wir „alltägliches Glück“ gerne übersehen und nicht bewerten.
Unsere Gesundheit ist uns zumeist dann wertvoll, wenn Störfaktoren auftauchen. All die Tage, Monate und Jahre, an denen wir uns vollkommen gut gefühlt haben, fallen doch erst dann wirklich ins Gewicht, wenn sie scheinbar, wenngleich hoffentlich nur vorübergehend, vorbei sind.

Die Dankbarkeit und somit die Ängste, es könnte nun etwas Schlimmes folgen, steigen an, sobald die Erlebnisse über eben dieses „alltägliche Glück“ hinausgehen.
Eine Beförderung, die mehr Selbstverwirklichung und Reduzierung der finanziellen Ängste herbeiführt. Wir freuen uns ehrlich, sind dankbar. Auch stolz auf unsere eigenen Leistungen.
‚Wann kommt er denn nun, der Schlag ins Gesicht?‘, grübeln wir.

Unaushaltbar, die nackte Angst, es könnte nun etwas Furchtbares geschehen.
Etwas Unaussprechliches. Das Gefühl, der Teilzeitabergläubische in uns, müsste allein beim Aussprechen dieser schrecklichen Situationen, dreimal auf Holz klopfen.
Ja, genau diese Angst überkommt uns, sollten wir zu den Glücklichen gehören, die ganz ohne Zweifel den einen, den ihren, den „für immer“- Menschen für sich gefunden haben.
Jeder einzelne Blick voller Liebe, auch nachdem die anfängliche Verliebtheit bereits hätte verschwinden müssen, sie jedoch nach und nach durch etwas Größeres, Stärkeres, die wahre Liebe, ersetzt wurde. Diese Überdosis Liebe und Gefühle, die kein anderer Mensch uns je empfinden ließ. Solch eine Liebe, die von außen zwar beobachtet, jedoch nicht nachempfunden werden kann. Existiert sie doch nur zwischen Euch beiden.

Was folgt darauf?
Es kann nur etwas Schreckliches sein.
Der Verlust eben dieses Menschen.
Eines anderen Geliebten? Des eigenen Lebens?

Habt Ihr noch etwas „gut“ beim Schicksal? Euer Konto im Plus?
Ich möchte es nicht hoffen. Hoffe auf Balance, auf eine Null im Kontoauszug des Lebens.
Während ich daran denke, an das Beste, das mir je passiert ist, Dich, klopfe ich auf Holz.
Exakt dreimal und hoffe, dass die Zinsen für meine Rückzahlung auf Raten, nicht steigen.

Was wir zu glauben bereit sind

Schneeweiße Wäsche, fleckenfrei. In nur einem Waschgang.
Das neue Produkt. Eine Innovation auf dem Markt.
Vom Ladenregal wandert das Zaubermittel direkt in unsere Hand.
„Hat es funktioniert?“, fragt die Freundin eine Woche später.
„Geht so, habe mehr erwartet“, geben wir zurück.

Kunstwerk der Technik, unübertroffen in Bedienung und Funktionalität.
Auch das ausgeklügelte, schlanke Design, einfach toll.
Das darf dann ruhig etwas mehr kosten.
Nach Wochen der Nutzung, fragen wir uns, ob dieses
neue System, unser eigener kleiner Droide, das Geld wert war.

Wir sind bereit, zu glauben.
An die Lügen der Werbung.
Propaganda und schlechte Berichterstattung wechseln sich ab.
Wir sind zu glauben bereit. Sind wir es nicht sofort, so werden
wir mürbegemacht, bis wir es sind.

Was wir nicht zu glauben bereit sind:

Ich liebe Dich.

Lass‘ uns Freunde sein.

Du bist besonders.

Natürlich, wir sind ja auch schon oft genug getäuscht oder sogar enttäuscht worden, nicht wahr? Ist es nicht so, dass wir eben nicht unendlich viele Chancen geben? Seien es auch verschiedene Menschen, die nicht im geringsten Schuld daran tragen, was ein anderer uns versprochen und nicht gehalten hat. So sei es drum, wir wollen nicht schon wieder ins Stolpern geraten.

Das neuste Produkt, obwohl das letzte schon eine Enttäuschung war?
Natürlich reservieren wir uns sofort einen Platz in der Warteschlange. Mag sie auch noch so lang sein.

Wie viele?

Wie viele Nächte hat sie verbracht,
auf der Suche nach der unendlichen Nacht.
Die Schönste von allen, mein „Jetzt und für immer“.

Wie viele Tränen hat sie geweint,
ohne jemals jene der wahren Liebe,
bis jetzt, geweint zu haben.

Wie viele Träume hat sie geträumt,
Abenteuer und Jubel erlebt, bis
sie den einen Traum fand, der
jede Nacht zurückkehrt, zu ihr.

Wie viele Momente war sie glücklich,
hat gelacht und gestrahlt,
ohne zu wissen, was Glück
eigentlich ist. Bis jetzt.

Wie viele Male hatte sie gefleht,
auf Knien, für diesen einen besonderen
Menschen, in ihrem Leben, bis jetzt.
Bis er kam.

Wie viele Jahre, Monate, Tage, Stunden und Minuten
liegen noch vor ihr, vor ihrer Unendlichkeit.
Wie viele?

Fragen

Was treibt Dich an?
Welches ist der Faktor, der Dich antreibt,
Dich zur Hochleistung anspornt?
Wo möchtest Du hin?

Wem gehört Dein Herz?
Hast Du DEN Menschen gefunden?
Suchst Du nach ihm?
Fühlst Du Dich geliebt, egal auf welche Art und Weise?

Warum liegst Du nachts wach?
Was ist es, das Deine Gedanken ausfüllt,
Dir schlaflose Nächte beschert?
Warum kannst Du es nicht auf morgen verschieben?

Was ist es, das Dich stark macht?
Woher nimmst Du Deine Stärke?
Musstest Du kämpfen, hattest
keine andere Wahl?
Bist Du ein Beschützer und wenn ja, wer
beschützt Dich?

Gibt es für Dich nur dieses eine Leben?
Glaubst Du, wir haben nur diese eine Chance?
Glaubst Du vielleicht, es gäbe viele oder
auch nur ein Leben nach diesem?

Was macht Dich glücklich?
Ein Lächeln auf Deinem Gesicht,
die Welt scheint in Ordnung.
Was ist es, das Dich glücklich macht?
Für nur einen Moment oder vielleicht für immer?

Welche Musik bringt Dich zum Tanzen?
Ob nun Deinen Körper oder Deinen Geist,
welche Musik, bringt Dich dazu, zu tanzen?
Kannst Du es beschreiben, dieses Gefühl?

Hast Du Lust zu tanzen, vielleicht mit mir?

Unhörbar

Unhörbar, Eure Gedanken, die bei mir sind.
Mich begleiten, Schritt für Schritt.
Immer da, die Sicherheit, die mich umgibt.

Nicht greifbar, unbeschreiblich,
ich weiß, Ihr seid da.
Einen Anruf, eine Nachricht entfernt.

Als ich aus meinem Wagen steige,
ein letzter Blick auf Eure Zeilen,
ich weiß, ich bin zwar allein,
dennoch nehme ich Euch mit.

Ihr wisst, eine andere Entscheidung
gibt es für mich nicht, diesen Weg muss
ich gehen. Wünscht Euch das Beste
für mich, seht meinen Schmerz,
wollt dennoch mit mir gehen.

Mein Ziel, so weit entfernt,
die eine Liebe, die mich treibt,
es ist auch Eure, die mich trägt.

Diesen Krieg kann niemand
anderes führen als ich.
Eure Hände gebunden,
so arbeite ich daran, ein Entfesselungskünstler
für die meinen zu werden.

Ohne Worte, bin ich versichert,
hinter mir steht eine Armee,
die den Kampf gerne gewinnen
würde, für mich.

Meine Armee, mein Schutz
und mein Schild.
Die unglaublichen Menschen
in meinem Leben, die meine
Familie, meine Freunde sind.

Als Krieger, unhörbar,
Euer Wort fände auf meinem
Schlachtfeld kein Gehör.

Laut und stark in meinem Herzen,
wissend, es warten Niederlagen auf mich.
Mir Eurer sicher, wenn mein Haupt sich
erschüttert senkt.
Gewiss, ich stehe wieder auf.
Sehe Euch an, jeden Tag,
voller Dankbarkeit und Stolz.

Den Krieg würde ich führen,
auch ohne Euch, hinter mir,
ohne Eure Flügel, die mich tragen,
mir Rückenwind geben.

Gesegnet wurde ich ganz gewiss,
unhörbare Flügelschläge
bringen mir Eure Kraft,
Eure Liebe,
Euren Mut.
Mögen sie von außen auch unhörbar sein.

Warte

Warte nicht auf den Moment,
auf Magie, auf die Erleuchtung.

Warte nicht auf die große Liebe,
Gutes liegt oft so nah.

Warte nicht auf Perfektion,
sie ist nur ein Märchen.

Warte nicht auf das Glück,
sei glücklich, im Hier und Jetzt.

Warte nicht auf die zündende Idee,
gehe los, finde Inspiration.

Warte nicht auf das Klingeln des Telefons,
nimm den Hörer, und schreite selbst zur Tat.

Warte nicht auf morgen, heute, jetzt und
hier ist der Tag.

Warte nicht, Du verpasst sonst etwas.
Warte nicht, die Zeit rennt davon.
Warte nicht, dass alles gut wird.
Lebe jetzt!
Auch wenn diese Ratschläge nicht falsch sind, so sind sie dennoch nicht richtig.

Der, der an Magie glaubt, ist bereit darauf zu warten.
Die große Liebe liegt manchmal nicht im Bekannten.
Perfektion nicht zu erwarten, aber zu erstreben.
Glück im Hier und Jetzt, jedoch nicht um den Preis des großen Glückes willen.
Gefundene Inspiration, womöglich der Weg zur zündenden Idee.
Der Anruf, auf den Du wartest – vielleicht braucht er Zeit.
Heute ist einer Deiner Tage, morgen könnte jedoch „der Tag der Tage“ sein.

Warte. Wer warten kann, weil er will, ist unbezwinglich.

Dankbar

„Sie hat so viel für mich getan. Ich darf sie nicht im Stich lassen!“ sagte sich Klara,
beim Abstreifen ihrer Jacke und Schuhe. Gerade war sie vom Besuch bei ihrer Großmutter zurückgekehrt. Auf dem kleinen Tischchen in der Diele ihrer Wohnung lag noch immer die Postkarte, die ihre Eltern geschickt hatten. Diese war aus Malta, es war eine unter vielen.

Klaras Vater war erfolgreicher Auslandskorrespondent einer der renommiertesten Onlinemagazine Europas. Vor wenigen Jahren hatte er seinen Redaktionsjob in Berlin gegen diese Aufgabe eingetauscht. Ihre Mutter und er waren bereits Wochen, nachdem die Entscheidung fiel, aufgebrochen. Damals befand sich Klara noch im Studium. Kunstgeschichte. Ihr Studium hatte Klara nun abgeschlossen und arbeitete in einer örtlichen Galerie. Ihr gefiel ihre Arbeit, aber außer ihr gab es nicht viel, was sie hier hielt. Außer Oma. Bevor ihre Eltern ihr neues Leben begonnen hatten, war sie bereits pflegebedürftig gewesen. Es war für alles gesorgt. Sie genoss Rundumbetreuung und Pflege. Dennoch fehlte eines: Familie.

Mehr als einmal hatten ihre Eltern sie gebeten, die Zelte in Berlin abzubrechen und zu ihnen zu stoßen. Das Magazin ihres Vaters hatte Klara angeboten, eine wöchentliche Kunst-Kolumne zu veröffentlichen. Sie könnte die Galerien der Welt bereisen, gemeinsam mit ihren Eltern.
Zugegebenermaßen, die Aufgabe, darüber zu berichten, war für sie kein Leichtes. Sie war sich aber sicher, dass sie zu bewältigen wäre. Jedes Mal, wenn sie zu ihrer Großmutter aufbrach, nahm Klara sich vor, mit ihr darüber zu sprechen. Sie brachte es nicht übers Herz. Zu schwer, die Schuld auf ihrem Herzen. Das schlechte Gewissen. Die Einsamkeit, in die sie ihre Großmutter womöglich stürzen würde.

Nicht nur einmal war sie wütend nach Hause zurückgekehrt. Nicht, weil ihre Großmutter je etwas gesagt hätte, dass sie erzürnt hätte. Nein, weil sie, Klara, so ein Feigling war. Sie brachte die Worte einfach nicht über ihre Lippen. Auf ihre Eltern war sie wütend. Taten die beiden, die Oma doch näherstanden als sie selbst, eben nur genau das, wonach ihnen der Sinn stand. Selbstverständlich sorgten sie für Oma. Aus der Ferne.
Am nächsten Morgen warf sie einen letzten Blick auf die Postkarte ihrer Eltern und nahm ihre Jacke. Auf dem Weg zur U-Bahn, legte sie sich ihre Sätze gedanklich abermals zurecht:
„Oma, ich liebe Dich aber ich möchte diese Chance nicht verpassen“,
„Bitte weine nicht, ich komme dich so oft es geht besuchen“,
„Ich habe lange gezögert, die Entscheidung aber nun getroffen.“
Als sie den Schlüssel in der Haustür ihrer Großmutter drehte, schlug Klaras Herz bis zum Hals. Anne-Marie, Omas Pflegerin, erwartete sie bereits in der Diele, um ihr die Jacke abzunehmen.
„Geh nur rein zu ihr, Klara. Sie erwartet dich bereits“, sagte sie fröhlich.
Durch die beiden weißen Flügeltüren ging Klara ins Wohnzimmer der alten Dame, die mit dem Rücken zu ihr gerichtet, vor dem großen Fenster saß.
„Mein Kind, wie schön, dass du kommst“, sagte sie. Sie drehte sich in ihrem Rollstuhl herum und schenkte Klara ein engelsgleiches Lächeln. Draußen flog das bunte Herbstlaub umher.
„Ich, ich freue mich auch, Oma“, presste sie hervor.
Wie konnte sie nur? Genau, sie konnte nicht.

Dankbarkeit ist manchmal ein Band, oft aber eine Fessel.
Johann Wolfgang von Goethe

Glück gehabt?

So vielseitig die Definition von „Glück“ ist, so vielseitig sind auch die vermeintlichen Wege dorthin.
Vielleicht wartet es auf Dich, am Ende Deines Weges. Halte die Augen offen. Sieh Dich um.
Möglicherweise ist es direkt um die Ecke. An einem Ort, an dem Du es nicht vermutest.
Sei wachsam!

Da ist so viel, das Du tun kannst, um Dein Glück zu finden. Folge nicht nur den Wegen, gehe auch fernab von ihnen ein Stück. Streife durch grüne Wälder, wate durch Gewässer und hohe Gräser. Sei bereit, Dein Glück zu finden. Wonach hältst Du Ausschau? Ist dir klar, wonach Du suchst?
Gib nicht auf!

Siehst Du andere, die glücklich sind? Ist es das, wonach Du suchst?
Sie lächeln, sind fröhlich. Sie haben es wahrhaftig gefunden.
Fragst Du Dich, warum Du noch immer auf der Suche bist?
Hast Du einfach kein Glück gehabt?

Vielleicht hast Du „Glück gehabt“ und es fallen lassen?
Es blieb einfach liegen, am Wegesrand. Auf halber Strecke zum großen Traum.
Ich wünsche Dir, dass Du Dir dieses kleine Glück bewahren kannst.
Nicht nur zwanghaft nach dem Ultimativen strebst.
Das kleine Glück in Deinen Händen halten kannst, Dein Ziel unvergessen,
dennoch die kleine Brise Glück honorierst.

Hab‘ nicht einfach Glück, mach Dich bereit, glücklich zu sein.