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Ist das Kunst? – Warum Kunst gleich Liebe ist

„Das ist doch hässlich, wie die Nacht“, platzte es aus Timo heraus, als er das Bild, das sein kleiner Bruder gemalt hatte, am Kühlschrank sah.
„Timo, sei nicht so gemein! Dein Bruder ist sehr kreativ. Wir möchten ihn fördern“, sagte seine Mutter streng. Das Bild zeigte ein Stillleben, wie es verstörender nicht sein konnte. Dennoch würde
es für Jahre genau an dieser Stelle am Kühlschrank hängen. Dessen war sich Timo bewusst.

„Es ist- ja, Tatjana, es ist wunderschön. Vielen Dank!“ sagte Elisa zu ihrer Freundin.
Sie steckte fest verschnürt in dem eigens für sie genähten Abendkleid.
Das Kleid war bezaubernd. Würde man aus dem vorletzten Jahrhundert stammen.
Elisa suchte noch nach einem Weg, ihrer Freundin begreiflich zu machen, dass
minimale Veränderungen es zu einem noch schöneren Werk machen würden.
Sie bewunderte ihr Talent ganz aufrichtig. Die Geste ihrer Freundin rührte sie von ganzem Herzen.

„Manche Deiner Texte sind schwer verständlich“, sagte meine Mutter.
Die Tatsache, dass sie bewundert, was ich tue und meine Arbeit stetig verfolgt,
ist genug Lob für mich. Mir ist bewusst, dass nicht jedes Werk den Applaus derselben Menschen ernten kann. Nicht alles was wir schaffen, ist für alle, die uns lieben, geschaffen.

Das Anerkennen der Kunst als solche, ist Liebe pur.
Liebe von denen, die Dich von Herzen lieben.
Liebe von denen, die Dich nicht einmal kennen.
Ist die objektive Meinung über Werke der Kunst, die einzig wahre?
Sicher ist sie jene, die am authentischsten ist.
Ganz sicher jedoch, ist es die Liebe seiner Liebsten, die den Künstler auf den Weg bringt.
Auf dem Weg, Menschen zu verzaubern, die nichts von seinem Zauber wissen.
Jene, die ihm applaudieren, für das, was er schuf. Allein dafür.

Heavily in debt?

Do you know the feeling of being in debt with your destiny?
Actually, that kind of feeling that comes to us when we are particularly very happy.
Some will say this goes along with the value we give ourselves, our
Self-esteem, so to say. Most people would think, a person who’s able to find self-love to some degree must be able to accept the positive things in life. Without this negative, bitter aftertaste. Allegedly.

Isn’t it true, that we constantly tend to overlook “everyday happiness” in our lives?
Our health, as one part of it, only noticeable once something is wrong.  All these days, months, and years that we felt perfectly fine are just really important when they seem to be over, though, hopefully only temporarily.

The gratitude and thus the fear, that something bad could follow, rises as soon as the experience goes beyond this „everyday happiness“ is a real thing.
A promotion that results in more self-realization and a reduction in financial fears. We are honest, grateful. Also, proud of our own achievements. Maybe?
When to expect the unpreventable “slap in the face”, for all positivity? We await and expect exactly that.

Dramatic it is, the naked fear, something terrible might happen.
Something inexpressible. Right now, all of us “part-time superstitious believers” would have to knock on wood three times, only to prevent any of these terrible situations.
Yes, it is precisely this fear that surpasses us, in case we belong to the fortunate ones, who have no doubt they found their „forever“- love for themselves. The person you can call “mine” without sounding like a freak or silly romantic. Every single look of love, even after the initial infatuation, of having a crush on someone, had already disappeared but was gradually replaced by something greater, stronger: True love.
This overdose of love and feelings that no other human being ever felt. Emotions, that cannot be observed from the outside, cannot be modeled. This precious gift, only existing between both of you.

What’s next?
There’s only one possible answer: It must be something terrible.
The loss of this, your person.
Having another loved one get hurt? The loss of your own life?

Do you have a balance with your destiny? Your accounts in a plus?
I hope not. Let’s pray for balance, the number zero in your account of life.
While I think about the best thing that ever happened to me, I knock on wood. Just to make sure, exactly three times. Trusting that the interest rate for my repayment, that I pay back in small rates, is not going to rise.

Hoch verschuldet?

Kennt Ihr das Gefühl, dem Schicksal etwas schuldig zu sein?
Eben jenes Gefühl, das uns überkommt, wenn wir besonders glücklich sind.
Einige werden sagen, dass dies mit unserer eigenen Wertvorstellung oder ja, unserem
Selbstwertgefühl zu tun hat. Wer sich selbst liebt, ist in der Lage, Gutes, das ihm widerfährt, willkommen zu heißen, es auszukosten und durch keinen negativen Gedanken trüb werden zu lassen. Angeblich.

Vielmehr ist es doch so, dass wir „alltägliches Glück“ gerne übersehen und nicht bewerten.
Unsere Gesundheit ist uns zumeist dann wertvoll, wenn Störfaktoren auftauchen. All die Tage, Monate und Jahre, an denen wir uns vollkommen gut gefühlt haben, fallen doch erst dann wirklich ins Gewicht, wenn sie scheinbar, wenngleich hoffentlich nur vorübergehend, vorbei sind.

Die Dankbarkeit und somit die Ängste, es könnte nun etwas Schlimmes folgen, steigen an, sobald die Erlebnisse über eben dieses „alltägliche Glück“ hinausgehen.
Eine Beförderung, die mehr Selbstverwirklichung und Reduzierung der finanziellen Ängste herbeiführt. Wir freuen uns ehrlich, sind dankbar. Auch stolz auf unsere eigenen Leistungen.
‚Wann kommt er denn nun, der Schlag ins Gesicht?‘, grübeln wir.

Unaushaltbar, die nackte Angst, es könnte nun etwas Furchtbares geschehen.
Etwas Unaussprechliches. Das Gefühl, der Teilzeitabergläubische in uns, müsste allein beim Aussprechen dieser schrecklichen Situationen, dreimal auf Holz klopfen.
Ja, genau diese Angst überkommt uns, sollten wir zu den Glücklichen gehören, die ganz ohne Zweifel den einen, den ihren, den „für immer“- Menschen für sich gefunden haben.
Jeder einzelne Blick voller Liebe, auch nachdem die anfängliche Verliebtheit bereits hätte verschwinden müssen, sie jedoch nach und nach durch etwas Größeres, Stärkeres, die wahre Liebe, ersetzt wurde. Diese Überdosis Liebe und Gefühle, die kein anderer Mensch uns je empfinden ließ. Solch eine Liebe, die von außen zwar beobachtet, jedoch nicht nachempfunden werden kann. Existiert sie doch nur zwischen Euch beiden.

Was folgt darauf?
Es kann nur etwas Schreckliches sein.
Der Verlust eben dieses Menschen.
Eines anderen Geliebten? Des eigenen Lebens?

Habt Ihr noch etwas „gut“ beim Schicksal? Euer Konto im Plus?
Ich möchte es nicht hoffen. Hoffe auf Balance, auf eine Null im Kontoauszug des Lebens.
Während ich daran denke, an das Beste, das mir je passiert ist, Dich, klopfe ich auf Holz.
Exakt dreimal und hoffe, dass die Zinsen für meine Rückzahlung auf Raten, nicht steigen.

Was wir zu glauben bereit sind

Schneeweiße Wäsche, fleckenfrei. In nur einem Waschgang.
Das neue Produkt. Eine Innovation auf dem Markt.
Vom Ladenregal wandert das Zaubermittel direkt in unsere Hand.
„Hat es funktioniert?“, fragt die Freundin eine Woche später.
„Geht so, habe mehr erwartet“, geben wir zurück.

Kunstwerk der Technik, unübertroffen in Bedienung und Funktionalität.
Auch das ausgeklügelte, schlanke Design, einfach toll.
Das darf dann ruhig etwas mehr kosten.
Nach Wochen der Nutzung, fragen wir uns, ob dieses
neue System, unser eigener kleiner Droide, das Geld wert war.

Wir sind bereit, zu glauben.
An die Lügen der Werbung.
Propaganda und schlechte Berichterstattung wechseln sich ab.
Wir sind zu glauben bereit. Sind wir es nicht sofort, so werden
wir mürbegemacht, bis wir es sind.

Was wir nicht zu glauben bereit sind:

Ich liebe Dich.

Lass‘ uns Freunde sein.

Du bist besonders.

Natürlich, wir sind ja auch schon oft genug getäuscht oder sogar enttäuscht worden, nicht wahr? Ist es nicht so, dass wir eben nicht unendlich viele Chancen geben? Seien es auch verschiedene Menschen, die nicht im geringsten Schuld daran tragen, was ein anderer uns versprochen und nicht gehalten hat. So sei es drum, wir wollen nicht schon wieder ins Stolpern geraten.

Das neuste Produkt, obwohl das letzte schon eine Enttäuschung war?
Natürlich reservieren wir uns sofort einen Platz in der Warteschlange. Mag sie auch noch so lang sein.

Glück gehabt?

So vielseitig die Definition von „Glück“ ist, so vielseitig sind auch die vermeintlichen Wege dorthin.
Vielleicht wartet es auf Dich, am Ende Deines Weges. Halte die Augen offen. Sieh Dich um.
Möglicherweise ist es direkt um die Ecke. An einem Ort, an dem Du es nicht vermutest.
Sei wachsam!

Da ist so viel, das Du tun kannst, um Dein Glück zu finden. Folge nicht nur den Wegen, gehe auch fernab von ihnen ein Stück. Streife durch grüne Wälder, wate durch Gewässer und hohe Gräser. Sei bereit, Dein Glück zu finden. Wonach hältst Du Ausschau? Ist dir klar, wonach Du suchst?
Gib nicht auf!

Siehst Du andere, die glücklich sind? Ist es das, wonach Du suchst?
Sie lächeln, sind fröhlich. Sie haben es wahrhaftig gefunden.
Fragst Du Dich, warum Du noch immer auf der Suche bist?
Hast Du einfach kein Glück gehabt?

Vielleicht hast Du „Glück gehabt“ und es fallen lassen?
Es blieb einfach liegen, am Wegesrand. Auf halber Strecke zum großen Traum.
Ich wünsche Dir, dass Du Dir dieses kleine Glück bewahren kannst.
Nicht nur zwanghaft nach dem Ultimativen strebst.
Das kleine Glück in Deinen Händen halten kannst, Dein Ziel unvergessen,
dennoch die kleine Brise Glück honorierst.

Hab‘ nicht einfach Glück, mach Dich bereit, glücklich zu sein.

How strong are you?

I could never do that, I’m too weak for that.
Too heavy the load, too high the price.
No, I could never do that,
so, I’d rather not try.

The way is too far, I would need a lifetime,
to get there. I would rather not try.
Why give what is already forgiven.
Too far in the distance lies the goal,
so it is no longer mine.

I love you, but I cannot stand it anymore.
Too much is too much, with all love,
it cannot go on like that.
Truly my love, but the way too troublesome,
my strength is not enough.

I cannot get up again,
Unable to look the shame in the face,
I have fallen and remain.
The fall too hard, the disappointment too great.
Too hard the strike knocked out.

Do you know how strong you are?
Pick it up, the load, hold it, you can do it.
Go further, look at the goal that is so far away.
Love more, evermore. Do not let the love go.
Get up, that was not a „knockout“, go on!

No one knows how far his strengths go until he has tried them.
Johann Wolfgang von Goethe-

Grab your mask

Grab your mask, it’ll fit you for sure, softly, adjusting to your face.
If it does not, try another one. The range is endless.
Hiding in the crowd, do not say a word. Wait for what the others say.
Repeat after them.

Grab your mask, take good care of it. It is vital to you, without it, you are not complete. Look at it, it’s part of you until you become a part of it.
Look into the mirror, take it off. Can you see how much more beautiful you are when you wear your mask?
Beautiful.

Grab your mask, reach what you want to achieve. Real people, without masks, cannot achieve their goals. Do not get in the way of others, go with them. Follow the direction they go. Do not go alone, swim with the stream. Your gaze to the ground, there’s nothing to see for you up high. Reach your goal, the target of the mask you are wearing.
This is what you want.

Grab your mask, do not put it down. No one wants to see what is hidden beneath it.
Even if they ask you, leave it in his place, your face. It is your protection and your shield, your face. Don’t let them fool you. This is just a trick, a trick that is supposed to weaken you.

Grab your mask, wear it with pride.
It is what you want to be.

It is the essence of what you are.
It is being loved.
It is appreciated.
It is respected. Without your mask, you’re just YOURSELF.

Nimm´ Deine Maske

Nimm´ Deine Maske, sie wird Dir schon passen, schmiegt sich an, an Dein Gesicht.
Tut sie es nicht, versuch´ eine andere. Die Auswahl ist groß.
Versteck´ Dich in der Menge, sag´ kein Wort. Warte ab, was die anderen sagen.
Sprich ihnen nach.

Nimm´ Deine Maske, pass gut auf sie auf. Sie ist lebenswichtig für Dich, ohne sie bist Du nicht komplett. Sieh sie an, sie ist ein Teil von Dir, bis Du ein Teil von ihr geworden bist.
Schaue in den Spiegel, nimm sie ab. Siehst Du, wie viel schöner Du bist, wenn du sie trägst?
Schön.

Nimm´ Deine Maske, erreiche, was Du erreichen willst. Echte Menschen ohne Masken erreichen Ihre Ziele nicht. Stelle Dich den anderen nicht in den Weg, gehe mit ihnen. Folge der Richtung, die sie gehen. Gehe nicht allein, schwimm´ mit dem Strom. Den Blick gesenkt, hoch hinaus gibt es nichts zu sehen. Erreiche Dein Ziel, das Ziel der Maske, die Du trägst.
Das ist es, was Du willst.

Nimm´ Deine Maske, lege sie nicht ab. Kein Mensch will sehen, was sich darunter verbirgt.
Auch wenn sie Dich bitten, lass sie auf. Sie ist Dein Schutz und Dein Schild, Dein Antlitz.
Lass Dich nicht täuschen. Das ist nur ein Trick, ein Trick, der Dich schwächen soll.

Nimm´ Deine Maske, trage sie voller Stolz.
Sie ist, was Du sein willst.
Sie macht Dich aus.
Sie wird geliebt.
Sie wird geschätzt.
Sie wird respektiert.
Ohne Deine Maske bist Du einfach nur Du.

Anerkennung, und weiter?

Balsam für die Seele, Lohn für die Mühe, Bestätigung.
Bekommen wir jemals genug von ihr, der Anerkennung anderer?

Ein kalter Novembermorgen. Eigentlich war ihr überhaupt nicht nach Laufen zumute gewesen. Der innere Schweinehund wollte im Bett bleiben. Dennoch trieb sie nun Schritt für Schritt ihre Beine über den Asphalt. Die Musik in ihren Ohren machte sie taub für ihr Umfeld – leider nicht für ihre Gedanken.
„Körperliche Fitness ist das A und O“, sagte sie sich im Takt.
Gerade gestern auf der Cocktailparty hatte es wieder einmal Komplimente geregnet. Sie und ihr fitter schöner Körper. Nach 3 Kindern: WOW!
Das war es doch wert, oder nicht?
Dennoch fühlte sich Anna nicht stark. Nicht euphorisch oder stolz. Jeder Schritt ätzte sie an.

Vorbei an Geschäften und Cafe’s stieg der Duft von frischem Kaffee in ihrer Nase.
Durch die Glasfront sah sie eine Familie beim Frühstück. Typisch für einen Sonntag.
Wie gerne würde sie Zeit dort verbringen, mit ihrer Familie in den Sonntag starten.
Hatte es ihr Mann doch etliche Male vorgeschlagen. Sein Kollege aus dem Büro war ganz begeistert von diesem Lokal. Immer wieder hatte sie abgelehnt. Auf der Suche nach Gründen fiel ihr nur ein einziger ein:
Passten Pfannkuchen und Croissants doch so schlecht in ihre Diät.
Ihren Dauerzustand. So oft hatte ihr Mann Lukas sich beklagt, wenn sie Einladungen zum Essen ausgeschlagen hatte. Man konnte auch anders Zeit verbringen, man musste sich nicht mit Fett und Zucker vollstopfen. Was aber, wenn man möchte? Wenn es genau das Richtige für genau diesen Zeitpunkt ist?
Was würde passieren, wenn sie aufhören würde, sich ständig zu Höchstleistung zu treiben? Sicher wurden die Komplimente weniger. Machte ihr das tatsächlich etwas aus?

Sie bog links ab, Richtung Feldrand. Sie stoppte. Schnaufend, die Pulsuhr meldete sich. Kein optimaler Fettverbrennungspuls. Langsam ging Anna weiter, sah die Sonne aufgehen über den eisigen Feldern. Sie lächelte. Tatsächlich dachte sie immer, ja, ihr ganzes Erwachsenenleben lang, dass sie kein Sklave der Anerkennung anderer sei. Selbstbewusst und stark, sie tat das ja alles nur für sich. Sonst für niemanden. Ein großer Irrtum! Wenn sie an die vielen Komplimente und Bekundungen über ihre Leistungen dachte, fühlte sie sich leer. Das müsste nicht so sein. Wäre es nicht schön, mit sich selbst zufriedener zu sein und die Anerkennung anderer als zusätzliche annehmen zu können? Ja! Nicht davon abhängig, dennoch erfreut? Ja!
Annas Weg führte sie zurück zum Cafe und den Pfannkuchen. „Zum Mitnehmen, bitte!“
Als sie Zuhause an die Tür klingelte, lachte Lukas: „Bist du es Schatz, oder der Lieferjunge, der sich in der Tür vertan hat?“ Er nahm ihr die Boxen ab und staunte, dass seine Anna die Karte des Cafes herauf und herunter bestellt hatte. Sie aßen auf dem Wohnzimmerfußboden. Im Hintergrund lief die „Sendung mit der Maus“. Sie sah in die fröhlichen Gesichter ihrer Kinder, wie an so vielen Tagen. Dennoch machte sie der Anblick heute noch glücklicher als sonst. Sie war zufrieden mit sich und der Welt. Es waren nicht nur die Pfannkuchen und die Zeit, die sie mit ihren Liebsten verbrachte, nein es war mehr.
Es war genau das, was sie in diesem Augenblick wollte. Keine Spur der Anerkennung war notwendig, um dies zu erkennen.

 


 

 

„Nun streng Dich doch endlich einmal mehr an, Junge“, raunte sein Vater, mit gerunzelter Stirn.
Dabei warf er die Seite des Buches zu, das er gerade gelesen hatte. Er nahm seine Brille von der Nase, verärgert und genervt. Bastian traute sich kaum aufzusehen, fühlte er sich doch selbst hundeelend. Er wusste, dass dieser Moment ihm bevor stand, als er die Korrektur seiner Hausarbeit von seinem Dozenten zurück erhalten hatte. Die Bilanz war niederschmetternd. Scheinbar hatte er nicht die Hälfte des Stoffes verstanden, beinahe das Thema verfehlt.

Er stand auf und blickte dennoch zögerlich in Richtung seines Vaters. Der stand mittlerweile am großen Fenster, den Blick nach draußen gerichtet. Sich die Stirn reibend, murmelnd. Als ob das etwas hätte ändern können. Als er den Hausflur betrat und die Stufen hinauf in seine Wohnung erklomm, wurde er wütend. Wütend auf seinen Dozenten, die Universität, das verflixte Thema jener Hausarbeit. Jedoch vor allem auf seinen Vater, den Vorzeigejuristen, Vorzeigevater, Vorzeigemensch! Die Wut brodelte geradezu in ihm, als er sich mit einem lauten Knall auf sein Sofa fallen ließ. Sein Vater, der nichts anderes wollte als endlich stolz auf ihn sein zu können. Einmal im Leben. Genügte das allein, um ihn so wütend zu machen?

Er verfing sich geradezu in der Vorstellung, wie er ihm ausbreitete, dass er das Jura-Studium abbrechen würde. Hatte er schließlich genug von alldem. Warum sollten alle Beteiligten weiterhin leiden? Sein ganzes Leben geprägt von diesem einen, seines Vaters Traum. Sein Sohn, der Jurist. Bastian lächelte bei der Vorstellung des Ausdrucks auf seinem Gesicht. In diesem Moment packte es ihn: Freute er sich nicht ein wenig zu sehr darüber? War er tatsächlich der getriebene Junge, dessen Zukunft auf die Anerkennung und den Respekt seines Vaters aufgebaut war?

Bastian saß nur da und überlegte, für eine lange Zeit.
Viele Momente ließ er in seiner Erinnerung Revue passieren. Zu seinem Erschrecken waren viele Momente dabei, in denen er hätte mehr leisten können, er sogar Freude daran gehabt hätte. Dennoch hatte er jene Momente vorbeiziehen lassen, Chancen ungenutzt, nur die Zeit abgesessen. Störrisch erwartet wie sein Vater wohl auf die dürftigen Leistungen reagieren würde, gewusst was kommt. Es akzeptiert, sogar darauf hin gearbeitet.

War ihm der gewählte Werdegang tatsächlich so zuwider oder war es die Anerkennung seines Vaters, die er absolut nicht wollte? Erdachte er Anerkennung doch immer als Lohn derer, die sich selbst nicht genug sind. Wollte er beweisen, dass er auch ohne jegliche Anerkennung stark und glücklich sein konnte, das nicht nötig hatte? Die Gedanken überschlugen sich förmlich in seinem Kopf, während eine Träne über seine Wangen lief. Er, der coole Kerl von nebenan, der die Anerkennung seines Vaters mit allen Kräften versucht, nicht zu erreichen. Er, der Jura eigentlich faszinierend findet. Das Lernen und die Vorlesungen immer interessant gefunden hatte.

Als er am nächsten Morgen aufstand und in den Sonnenaufgang blickte, war alles klar.
Die Nacht hatte alles rein gewaschen, seine Gedanken bestätigt.
Ab heute, ab sofort und an jedem Tag wollte Bastian genau das tun, was er gut konnte und was ihm Freude bereitete. Er wollte erfolgreich sein und die Freude über die eigene Leistung mit der Anerkennung anderer vereinen. Dachte er wirklich, er sein zu cool für ein wenig Anerkennung, den Stolz seines Vaters?
Er lächelte, „Ja, das ist wirklich das Lächerlichste, das ich je gehört habe.“

Jahre später, lange nach seinem Examen, als er gerade aus einem langen Meeting mit einem wichtigen Klienten kam, sah er seinen Vater in der Lobby sitzen. Als er ihn herbei laufen sah, blickte er von seinem Buch auf und ging auf ihn zu. Er umarmte ihn herzlich und klopfte ihm auf die Schulter: „Einen guten Klienten klar gemacht, mein Junge? Ich würde zwar gerne sagen ‚das habe ich immer gewusst, dass aus dir ein ausgezeichneter Anwalt wird ‚ aber das habe ich nicht. Ich habe immer gehofft, du tust das Richtige und das, was DICH glücklich macht.
Bist du denn glücklich, Bastian?“
„Ja Papa, und du darfst stolz auf mich sein.“

Sei mutig genug, deinen Weg ohne Anerkennung und Lob anderer zu gehen.
Sei nicht zu stolz, sie mit einem Lächeln anzunehmen.