Gedicht

Komm‘ an Bord

Es war an dem Tag, als sie ihn traf, als ihre Überzeugung schwankte wie ein Fischerboot, das schon lange nicht mehr zur See hätte fahren sollen.
Dort stand er, mit seinem selbstsicheren Lächeln und seinen funkelnden Augen.
Ihr Spiegelbild, das sie zurückwarfen, war ein anderes, als sie es gewohnt war.
Dominant war er, dieser Kerl, und jedem anderen Menschen zuvor, der ihr mit solch einer Art begegnet war, hatte sie gesagt, was sie davon hielt: Überhaupt nichts.

Sie war keine Frau die sich gerne führen ließ. Sie selbst war ein Anführer. Geboren, einer zu sein, dazu ermutigt und erzogen. Ihr Wort war stets das erste und das letzte gewesen. Viel wichtiger: Das maßgebliche. Auf manche ihrer Mitmenschen wirkte sie arrogant, und je älter sie wurde, desto weniger störte es sie. Sollten die anderen doch denken, was sie wollten. Schließlich war es ihre Meinung über die Reflexion ihrer selbst, das, was sie ausmachte, die zählte.

Als er ihre Hand ergriff und nicht mehr losließ, fühlte sie sich anders. Könnte es seine Stärke sein, die Art wie er sprach, alles was er tat, das sie einschüchterte? Sie!
Nein. Sie war beeindruckt. Nicht auf eine Art, die ihr bereits bekannt war. Dieses Gefühl saß tiefer in ihr drin. Als hätte es geschlummert, nur um durch seine Anwesenheit zum Leben erweckt zu werden.
Wie ein Buch las er sie, nicht befangen, ihr aus seinem vorzulesen. So oft sie wollte. Jedes Kapitel, auch jene, die sie erschreckten, ihr kalte Schauer über den Rücken jagten.

Sie fühlte sich nicht wie ein neuer Mensch, viel mehr wie jener, der sie immer gewesen war. Ihre eigene Stärke verdoppelt, fühlte sie sich größer als jemals zuvor.
Alles an ihr selbst, was sie nicht schätzte, wurde umgekehrt, durch seine Liebe relativiert.
Bewunderung kannte sie. War sie von Männern erzogen worden, deren Kampfgeist so beachtlich war, dass sie nicht anders konnte, als ihnen ihr Leben lang Tribut zu zollen.
Waren diese Ihre Segel in rauer See gewesen, erkannte sie jetzt:
Hier vor ihr stand ihr Kapitän.

Als er ihre Hand fester griff, tobte ein Sturm. Vor ihnen lag das Meer, wild und ungestüm. Zeiten ohne starken Wellengang waren nicht in Sicht und dennoch kannten sie ihr Ziel:
„Land in Sicht!“
Seine Arme hielten sie fest umschlungen, als sie die Augen schloss.
Für einen unendlichen Moment stand sie so da und wusste, es würden noch unzählige kommen.
Es war dieser Tag, als ein Anführer seinen Anführer fand.

„Willkommen an Board, Liebste“, sagte er und selbst in der Dunkelheit der See, konnte sie sehen.

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Meine Wahl?

Nur Du, mein Zauber, mein Alles.
Ganz sicher.
„Du bist der, den ich gewählt habe“, sage ich leise.
Meine freie Entscheidung, ganz das, was ich will.
Ganz sicher?

Die Liebe scheint nicht nur unendlich,
sie erstreckt sich jeden Tag neu,
hindurch durch unser düsteres Tal,
das wir, gerade jetzt, unser Leben nennen.

Ich wusste, es wird schwer,
hab´ ihn gesehen, den steinigen Pfad.
Die Monster, sie lauern, bedauern
jeden unserer Erfolge.
Grinsen hämisch, über jeden Rückschlag,
der uns trifft.

Momente des Abschieds, für immer
eingebrannt.
Auf mein Herz tätowiert,
in meine Haut geritzt, mit rostiger Klinge.
Nie war ich glücklicher und
niemals, keine Stunde in meinem
Leben, trauriger als in diesem Moment.

Die Liebe lässt uns keine Wahl.
Sie bricht über uns hinein wie ein Feuer.
Seit jenem Tag brennen wir lichterloh.
Du und ich.
Die Liebe macht die Wahl, die wir
vermeintlich treffen könnten, entbehrlich.
Alsdann schlagen die Flammen hoch.
Es bleibt keine Wahl.

Wie viele?

Wie viele Nächte hat sie verbracht,
auf der Suche nach der unendlichen Nacht.
Die Schönste von allen, mein „Jetzt und für immer“.

Wie viele Tränen hat sie geweint,
ohne jemals jene der wahren Liebe,
bis jetzt, geweint zu haben.

Wie viele Träume hat sie geträumt,
Abenteuer und Jubel erlebt, bis
sie den einen Traum fand, der
jede Nacht zurückkehrt, zu ihr.

Wie viele Momente war sie glücklich,
hat gelacht und gestrahlt,
ohne zu wissen, was Glück
eigentlich ist. Bis jetzt.

Wie viele Male hatte sie gefleht,
auf Knien, für diesen einen besonderen
Menschen, in ihrem Leben, bis jetzt.
Bis er kam.

Wie viele Jahre, Monate, Tage, Stunden und Minuten
liegen noch vor ihr, vor ihrer Unendlichkeit.
Wie viele?

Unhörbar

Unhörbar, Eure Gedanken, die bei mir sind.
Mich begleiten, Schritt für Schritt.
Immer da, die Sicherheit, die mich umgibt.

Nicht greifbar, unbeschreiblich,
ich weiß, Ihr seid da.
Einen Anruf, eine Nachricht entfernt.

Als ich aus meinem Wagen steige,
ein letzter Blick auf Eure Zeilen,
ich weiß, ich bin zwar allein,
dennoch nehme ich Euch mit.

Ihr wisst, eine andere Entscheidung
gibt es für mich nicht, diesen Weg muss
ich gehen. Wünscht Euch das Beste
für mich, seht meinen Schmerz,
wollt dennoch mit mir gehen.

Mein Ziel, so weit entfernt,
die eine Liebe, die mich treibt,
es ist auch Eure, die mich trägt.

Diesen Krieg kann niemand
anderes führen als ich.
Eure Hände gebunden,
so arbeite ich daran, ein Entfesselungskünstler
für die meinen zu werden.

Ohne Worte, bin ich versichert,
hinter mir steht eine Armee,
die den Kampf gerne gewinnen
würde, für mich.

Meine Armee, mein Schutz
und mein Schild.
Die unglaublichen Menschen
in meinem Leben, die meine
Familie, meine Freunde sind.

Als Krieger, unhörbar,
Euer Wort fände auf meinem
Schlachtfeld kein Gehör.

Laut und stark in meinem Herzen,
wissend, es warten Niederlagen auf mich.
Mir Eurer sicher, wenn mein Haupt sich
erschüttert senkt.
Gewiss, ich stehe wieder auf.
Sehe Euch an, jeden Tag,
voller Dankbarkeit und Stolz.

Den Krieg würde ich führen,
auch ohne Euch, hinter mir,
ohne Eure Flügel, die mich tragen,
mir Rückenwind geben.

Gesegnet wurde ich ganz gewiss,
unhörbare Flügelschläge
bringen mir Eure Kraft,
Eure Liebe,
Euren Mut.
Mögen sie von außen auch unhörbar sein.

Warte

Warte nicht auf den Moment,
auf Magie, auf die Erleuchtung.

Warte nicht auf die große Liebe,
Gutes liegt oft so nah.

Warte nicht auf Perfektion,
sie ist nur ein Märchen.

Warte nicht auf das Glück,
sei glücklich, im Hier und Jetzt.

Warte nicht auf die zündende Idee,
gehe los, finde Inspiration.

Warte nicht auf das Klingeln des Telefons,
nimm den Hörer, und schreite selbst zur Tat.

Warte nicht auf morgen, heute, jetzt und
hier ist der Tag.

Warte nicht, Du verpasst sonst etwas.
Warte nicht, die Zeit rennt davon.
Warte nicht, dass alles gut wird.
Lebe jetzt!
Auch wenn diese Ratschläge nicht falsch sind, so sind sie dennoch nicht richtig.

Der, der an Magie glaubt, ist bereit darauf zu warten.
Die große Liebe liegt manchmal nicht im Bekannten.
Perfektion nicht zu erwarten, aber zu erstreben.
Glück im Hier und Jetzt, jedoch nicht um den Preis des großen Glückes willen.
Gefundene Inspiration, womöglich der Weg zur zündenden Idee.
Der Anruf, auf den Du wartest – vielleicht braucht er Zeit.
Heute ist einer Deiner Tage, morgen könnte jedoch „der Tag der Tage“ sein.

Warte. Wer warten kann, weil er will, ist unbezwinglich.

Nichts – Teil 3

Aus Dunkelheit wurde Licht.
Meine Glieder, sie schmerzten,
voller Dankbarkeit, nahm ich es an, das Elend.

Stimmen erklangen,
wie Musik, eine war besonders.
Wunderschön, sanft und ganz nah.

Eine Hand auf der meinen,
ich erkannte dieses Gefühl.
Dies war die Hand, die mich so oft gehalten hatte.

Der Sturm vorbei,
das Nichts im Wandel der Zeit.
Auf in eine bessere Ära.

Liebe, die mich traf
überlagerte jeglichen Schmerz.
Liebe, die ich gab, löschte all mein Elend aus.

Verschwommen meine Sicht,
die allmählich zu mir zurückkehrte,
sie kam tröpfelnd, wie sanfter Regen.

Die Augen, in die ich blickte,
das Gesicht, das ich nun vor mir sah,
mir war es, als kannte ich es,
als hätte ich diesen Moment bereits erlebt.

Tränen liefen über das Gesicht,
wie damals, ganz genau wie damals.
Dieser Erinnerung mein ganzes Leben beraubt,
wusste ich jetzt genau, ich hatte sie bereits erlebt.

„Mein Kind“, sagte sie.
„Mama“, wollte ich sagen, doch meine Stimme war noch nicht bereit.
„Mein Schatz, ich wusste Du schaffst es“,
„Mama, ich liebe Dich“, waren die Worte,
die meine Lippen stumm formten.

Alles auf Anfang.
Nicht ein neues Leben, sondern meins.
Dennoch beginnt es neu, schwach und klein.
Die Szene fast gleich, voller Hoffnung.

Das Licht, das stärker war als die Dunkelheit.
Errettet aus dem Meer des Nichts.
Es war die Hoffnung, die überwog,
denn zu allerletzt starb sie nicht.

Glück gehabt?

So vielseitig die Definition von „Glück“ ist, so vielseitig sind auch die vermeintlichen Wege dorthin.
Vielleicht wartet es auf Dich, am Ende Deines Weges. Halte die Augen offen. Sieh Dich um.
Möglicherweise ist es direkt um die Ecke. An einem Ort, an dem Du es nicht vermutest.
Sei wachsam!

Da ist so viel, das Du tun kannst, um Dein Glück zu finden. Folge nicht nur den Wegen, gehe auch fernab von ihnen ein Stück. Streife durch grüne Wälder, wate durch Gewässer und hohe Gräser. Sei bereit, Dein Glück zu finden. Wonach hältst Du Ausschau? Ist dir klar, wonach Du suchst?
Gib nicht auf!

Siehst Du andere, die glücklich sind? Ist es das, wonach Du suchst?
Sie lächeln, sind fröhlich. Sie haben es wahrhaftig gefunden.
Fragst Du Dich, warum Du noch immer auf der Suche bist?
Hast Du einfach kein Glück gehabt?

Vielleicht hast Du „Glück gehabt“ und es fallen lassen?
Es blieb einfach liegen, am Wegesrand. Auf halber Strecke zum großen Traum.
Ich wünsche Dir, dass Du Dir dieses kleine Glück bewahren kannst.
Nicht nur zwanghaft nach dem Ultimativen strebst.
Das kleine Glück in Deinen Händen halten kannst, Dein Ziel unvergessen,
dennoch die kleine Brise Glück honorierst.

Hab‘ nicht einfach Glück, mach Dich bereit, glücklich zu sein.

Die Uhr

„Sieh Dich nicht um“, sagst Du zu mir, ziehst mich an Dich heran.
„Wo sollte ich hinsehen, außer zu Dir?“ frage ich.
Ich spreche es nicht aus, Du weißt, was ich denke.

Die Zeit rast, in der nur Du und ich sind. Niemand sonst.
Der Zeiger der Uhr ist neben Deinen Augen, das einzige,
was meinen Blick auf sich zieht.
Unnachgiebig rückt er vor, ohne Geräusch.

Ich lege meinen Kopf auf Deine Schulter,
sauge all´ Deine Wärme ein.
Kämpfe gegen den Drang, erneut auf den Zeiger zu sehen.
So unnachgiebig wie er vorrückt, so intensiv das Stechen
in meiner Brust.

Mir schnürt es die Kehle zu, immer enger.
Verwundert, dass ich noch aufrecht sitze,
weiß ich, Du bist es, der mich stützt.
Schuldgefühl steigt in mir auf; sollte nicht ich es sein,
die Dich stützt?

Unsere Zeit läuft, viel zu schnell läuft sie ab.
Entgegen dem Moment, in dem sie kommen werden,
uns ein paar letzte Minuten geben, Minuten.
Meine Hände zittern, ich weiß nicht weiter.

Ich will schreien, dennoch bleibe ich stumm.
„Ich liebe Dich“, ist alles was ich zu sagen habe.
Ich will weinen, will Dir jedoch keine Sorge bereiten.
„Ich liebe Dich“, Tränen laufen über mein Gesicht.
Ich kann sie nicht aufhalten.

Du hältst mich ganz fest, so dass ich stehen kann.
Ohne Dich kann ich nicht stehen.
Ich muss.
Solange, bis unsere Zeit stillsteht.
Ich kann.
Bis diese Uhr nicht mehr lautlos tickt.
Ich will.
Ich will unsere Unendlichkeit.

Bis die verdammte Uhr für immer schweigt.

Die Kunst der Kunst

Kunst ist, was Du in ihr siehst.
Sie kann bunt sein, strahlend oder trüb.
Sie kann alles, sie muss nichts.

Kunst ist Emotion.
Gefühl und Erinnerung.
Sie bringt Dich fort oder zurück nach Hause.

Kunst wirkt.
Sie bebt nach in Dir, wenn Du sie ansiehst.
In demjenigen, der sie erkennt und anerkennt.

Kunst singt.
Ein Lied, das Du gut kennst
oder ein neues, dessen Klang Dir eine neue Welt zeigt.

Kunst tanzt.
Vor Deinem Auge, in Deinem Herzen.
Schwingt im Takt wie ein Herzrhythmus.

Kunst ist anders.
Für den Einen ist sie wertlos,
für den Anderen bedeutet sie die Welt.

Kunst ist frei.
Sie tut, was sie will, nicht was andere sagen.
Kennt keine Grenzen, das tat sie nie.
—————
Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit – Friedrich Schiller

Verlass‘ Dich auf mich

Dein zufriedenes Schnurren ist es, was mich glücklich macht,
ich streiche über Dein weiches Fell.
Du bist wach, siehst mich, wie ich bin.
Schmiegst Dich an, an mich. Küsst mein Gesicht.

Kommst mir entgegen, wenn ich nach Hause komme.
Freust Dich, mich zu sehen. Deine Körpersprache zeigt es.
Forderst mich auf zum Spiel, bekommst nicht genug davon.
Du bist so glücklich, ich bin es auch.

In meinem Arm schläfst Du ein, zufrieden, als wäre das hier
das Paradies. Ja, so ist es.
Sanft küsse ich Deinen Kopf: „Ich habe Dich lieb“, flüstere ich.
Du machst mich glücklich, liebst mich einfach so.

—-

Freudig springst Du in die Höhe, Dein Lächeln voller Jubel.
Körpersprache, rein und ehrlich.
Du hast gewartet auf mich,
würdest warten, egal, wie lange es dauert.

Du verstehst nicht, warum ich manchmal gehen muss.
Manchmal winselst Du leise, wenn ich Dich zu Hause zurücklasse.
Ich weiß, es geht Dir gut, auch wenn ich nicht da bin.
Mein Herz schmerzt trotzdem, ich weiß Du vermisst mich.

Weit sind Deine Sprünge, über endlose Felder.
„Das muss der Himmel sein“, lese ich in Deinem Blick.
Glücklich wälzt Du Dich im Gras, sprintest erneut los.
Ich pfeife, Du kommst zurück zu mir.
Zu mir.

—-
Du hast mich schon von weitem gesehen,
meinen Wagen gehört.
Körpersprache, ehrlich und echt.
Ich strecke meine Hand aus nach Dir,
sehe die Liebe in Deinem Blick.

Ich steige über den Zaun,
gehe auf Dich zu,
Du weißt nicht, wie groß und stark Du bist.
Schmiegst Dich an, so dicht wie möglich,
schnaufst zufrieden.

Auf Deinem Rücken und wir fliegen.
Du hast Deinen eigenen Plan,
gehorchst aber, die Ohren gespitzt.
Glücklich, dass wir beide eine Reise machen,
Du und ich. Wir fliegen.


Verlass Dich auf mich, ich werde Dir alles geben was ich kann.
Lasse Dich nicht allein, liebe Dich, mit ganzem Herzen.

Bis Deine Kraft nicht mehr ausreicht, mich zu tragen,
Du nicht mehr aufstehen kannst.
Bis Dein letztes Schnurren erklingt, Dein Blick verschwimmt,
Du müde bist, vom Leben.
Bis Dein letzter Spaziergang kommt, Du nichts mehr essen möchtest.
Dein Spielzeug unberührt bleibt.

Wenn sie sagen, Du kannst nicht mehr,
ich muss entscheiden.
Der Abschied wird mein Herz entzweien,
möchte nicht ohne Dich sein.
Werde Dich dennoch gehen lassen, wenn ich muss.
Ich bleibe bei Dir, bis zum Schluss.
Dich für immer lieben. Für immer und immer mehr.
Ich werde wissen, ich hatte das Paradies mit Dir.
Werde wissen, genau das ist es, was ich Dir gab.
Alles.

Verlass Dich auf mich, ich werde da sein,
wenn Dein Atem stirbt.
Dich halten und Dich lieben.
Dir sagen „Danke, für die Zeit im Paradies“,
beten, dass wir uns wiedersehen.
Ich weiß, dort wo die reinen Seelen sind, dort gehst Du hin.
Verlass Dich auf mich, mein Bestes werde ich geben,
damit ich auch dorthin kommen darf.