Leben

Meine Wahl?

Nur Du, mein Zauber, mein Alles.
Ganz sicher.
„Du bist der, den ich gewählt habe“, sage ich leise.
Meine freie Entscheidung, ganz das, was ich will.
Ganz sicher?

Die Liebe scheint nicht nur unendlich,
sie erstreckt sich jeden Tag neu,
hindurch durch unser düsteres Tal,
das wir, gerade jetzt, unser Leben nennen.

Ich wusste, es wird schwer,
hab´ ihn gesehen, den steinigen Pfad.
Die Monster, sie lauern, bedauern
jeden unserer Erfolge.
Grinsen hämisch, über jeden Rückschlag,
der uns trifft.

Momente des Abschieds, für immer
eingebrannt.
Auf mein Herz tätowiert,
in meine Haut geritzt, mit rostiger Klinge.
Nie war ich glücklicher und
niemals, keine Stunde in meinem
Leben, trauriger als in diesem Moment.

Die Liebe lässt uns keine Wahl.
Sie bricht über uns hinein wie ein Feuer.
Seit jenem Tag brennen wir lichterloh.
Du und ich.
Die Liebe macht die Wahl, die wir
vermeintlich treffen könnten, entbehrlich.
Alsdann schlagen die Flammen hoch.
Es bleibt keine Wahl.

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Hoch verschuldet?

Kennt Ihr das Gefühl, dem Schicksal etwas schuldig zu sein?
Eben jenes Gefühl, das uns überkommt, wenn wir besonders glücklich sind.
Einige werden sagen, dass dies mit unserer eigenen Wertvorstellung oder ja, unserem
Selbstwertgefühl zu tun hat. Wer sich selbst liebt, ist in der Lage, Gutes, das ihm widerfährt, willkommen zu heißen, es auszukosten und durch keinen negativen Gedanken trüb werden zu lassen. Angeblich.

Vielmehr ist es doch so, dass wir „alltägliches Glück“ gerne übersehen und nicht bewerten.
Unsere Gesundheit ist uns zumeist dann wertvoll, wenn Störfaktoren auftauchen. All die Tage, Monate und Jahre, an denen wir uns vollkommen gut gefühlt haben, fallen doch erst dann wirklich ins Gewicht, wenn sie scheinbar, wenngleich hoffentlich nur vorübergehend, vorbei sind.

Die Dankbarkeit und somit die Ängste, es könnte nun etwas Schlimmes folgen, steigen an, sobald die Erlebnisse über eben dieses „alltägliche Glück“ hinausgehen.
Eine Beförderung, die mehr Selbstverwirklichung und Reduzierung der finanziellen Ängste herbeiführt. Wir freuen uns ehrlich, sind dankbar. Auch stolz auf unsere eigenen Leistungen.
‚Wann kommt er denn nun, der Schlag ins Gesicht?‘, grübeln wir.

Unaushaltbar, die nackte Angst, es könnte nun etwas Furchtbares geschehen.
Etwas Unaussprechliches. Das Gefühl, der Teilzeitabergläubische in uns, müsste allein beim Aussprechen dieser schrecklichen Situationen, dreimal auf Holz klopfen.
Ja, genau diese Angst überkommt uns, sollten wir zu den Glücklichen gehören, die ganz ohne Zweifel den einen, den ihren, den „für immer“- Menschen für sich gefunden haben.
Jeder einzelne Blick voller Liebe, auch nachdem die anfängliche Verliebtheit bereits hätte verschwinden müssen, sie jedoch nach und nach durch etwas Größeres, Stärkeres, die wahre Liebe, ersetzt wurde. Diese Überdosis Liebe und Gefühle, die kein anderer Mensch uns je empfinden ließ. Solch eine Liebe, die von außen zwar beobachtet, jedoch nicht nachempfunden werden kann. Existiert sie doch nur zwischen Euch beiden.

Was folgt darauf?
Es kann nur etwas Schreckliches sein.
Der Verlust eben dieses Menschen.
Eines anderen Geliebten? Des eigenen Lebens?

Habt Ihr noch etwas „gut“ beim Schicksal? Euer Konto im Plus?
Ich möchte es nicht hoffen. Hoffe auf Balance, auf eine Null im Kontoauszug des Lebens.
Während ich daran denke, an das Beste, das mir je passiert ist, Dich, klopfe ich auf Holz.
Exakt dreimal und hoffe, dass die Zinsen für meine Rückzahlung auf Raten, nicht steigen.

Was wir zu glauben bereit sind

Schneeweiße Wäsche, fleckenfrei. In nur einem Waschgang.
Das neue Produkt. Eine Innovation auf dem Markt.
Vom Ladenregal wandert das Zaubermittel direkt in unsere Hand.
„Hat es funktioniert?“, fragt die Freundin eine Woche später.
„Geht so, habe mehr erwartet“, geben wir zurück.

Kunstwerk der Technik, unübertroffen in Bedienung und Funktionalität.
Auch das ausgeklügelte, schlanke Design, einfach toll.
Das darf dann ruhig etwas mehr kosten.
Nach Wochen der Nutzung, fragen wir uns, ob dieses
neue System, unser eigener kleiner Droide, das Geld wert war.

Wir sind bereit, zu glauben.
An die Lügen der Werbung.
Propaganda und schlechte Berichterstattung wechseln sich ab.
Wir sind zu glauben bereit. Sind wir es nicht sofort, so werden
wir mürbegemacht, bis wir es sind.

Was wir nicht zu glauben bereit sind:

Ich liebe Dich.

Lass‘ uns Freunde sein.

Du bist besonders.

Natürlich, wir sind ja auch schon oft genug getäuscht oder sogar enttäuscht worden, nicht wahr? Ist es nicht so, dass wir eben nicht unendlich viele Chancen geben? Seien es auch verschiedene Menschen, die nicht im geringsten Schuld daran tragen, was ein anderer uns versprochen und nicht gehalten hat. So sei es drum, wir wollen nicht schon wieder ins Stolpern geraten.

Das neuste Produkt, obwohl das letzte schon eine Enttäuschung war?
Natürlich reservieren wir uns sofort einen Platz in der Warteschlange. Mag sie auch noch so lang sein.

Wie viele?

Wie viele Nächte hat sie verbracht,
auf der Suche nach der unendlichen Nacht.
Die Schönste von allen, mein „Jetzt und für immer“.

Wie viele Tränen hat sie geweint,
ohne jemals jene der wahren Liebe,
bis jetzt, geweint zu haben.

Wie viele Träume hat sie geträumt,
Abenteuer und Jubel erlebt, bis
sie den einen Traum fand, der
jede Nacht zurückkehrt, zu ihr.

Wie viele Momente war sie glücklich,
hat gelacht und gestrahlt,
ohne zu wissen, was Glück
eigentlich ist. Bis jetzt.

Wie viele Male hatte sie gefleht,
auf Knien, für diesen einen besonderen
Menschen, in ihrem Leben, bis jetzt.
Bis er kam.

Wie viele Jahre, Monate, Tage, Stunden und Minuten
liegen noch vor ihr, vor ihrer Unendlichkeit.
Wie viele?

Fragen

Was treibt Dich an?
Welches ist der Faktor, der Dich antreibt,
Dich zur Hochleistung anspornt?
Wo möchtest Du hin?

Wem gehört Dein Herz?
Hast Du DEN Menschen gefunden?
Suchst Du nach ihm?
Fühlst Du Dich geliebt, egal auf welche Art und Weise?

Warum liegst Du nachts wach?
Was ist es, das Deine Gedanken ausfüllt,
Dir schlaflose Nächte beschert?
Warum kannst Du es nicht auf morgen verschieben?

Was ist es, das Dich stark macht?
Woher nimmst Du Deine Stärke?
Musstest Du kämpfen, hattest
keine andere Wahl?
Bist Du ein Beschützer und wenn ja, wer
beschützt Dich?

Gibt es für Dich nur dieses eine Leben?
Glaubst Du, wir haben nur diese eine Chance?
Glaubst Du vielleicht, es gäbe viele oder
auch nur ein Leben nach diesem?

Was macht Dich glücklich?
Ein Lächeln auf Deinem Gesicht,
die Welt scheint in Ordnung.
Was ist es, das Dich glücklich macht?
Für nur einen Moment oder vielleicht für immer?

Welche Musik bringt Dich zum Tanzen?
Ob nun Deinen Körper oder Deinen Geist,
welche Musik, bringt Dich dazu, zu tanzen?
Kannst Du es beschreiben, dieses Gefühl?

Hast Du Lust zu tanzen, vielleicht mit mir?

Warte

Warte nicht auf den Moment,
auf Magie, auf die Erleuchtung.

Warte nicht auf die große Liebe,
Gutes liegt oft so nah.

Warte nicht auf Perfektion,
sie ist nur ein Märchen.

Warte nicht auf das Glück,
sei glücklich, im Hier und Jetzt.

Warte nicht auf die zündende Idee,
gehe los, finde Inspiration.

Warte nicht auf das Klingeln des Telefons,
nimm den Hörer, und schreite selbst zur Tat.

Warte nicht auf morgen, heute, jetzt und
hier ist der Tag.

Warte nicht, Du verpasst sonst etwas.
Warte nicht, die Zeit rennt davon.
Warte nicht, dass alles gut wird.
Lebe jetzt!
Auch wenn diese Ratschläge nicht falsch sind, so sind sie dennoch nicht richtig.

Der, der an Magie glaubt, ist bereit darauf zu warten.
Die große Liebe liegt manchmal nicht im Bekannten.
Perfektion nicht zu erwarten, aber zu erstreben.
Glück im Hier und Jetzt, jedoch nicht um den Preis des großen Glückes willen.
Gefundene Inspiration, womöglich der Weg zur zündenden Idee.
Der Anruf, auf den Du wartest – vielleicht braucht er Zeit.
Heute ist einer Deiner Tage, morgen könnte jedoch „der Tag der Tage“ sein.

Warte. Wer warten kann, weil er will, ist unbezwinglich.

Dankbar

„Sie hat so viel für mich getan. Ich darf sie nicht im Stich lassen!“ sagte sich Klara,
beim Abstreifen ihrer Jacke und Schuhe. Gerade war sie vom Besuch bei ihrer Großmutter zurückgekehrt. Auf dem kleinen Tischchen in der Diele ihrer Wohnung lag noch immer die Postkarte, die ihre Eltern geschickt hatten. Diese war aus Malta, es war eine unter vielen.

Klaras Vater war erfolgreicher Auslandskorrespondent einer der renommiertesten Onlinemagazine Europas. Vor wenigen Jahren hatte er seinen Redaktionsjob in Berlin gegen diese Aufgabe eingetauscht. Ihre Mutter und er waren bereits Wochen, nachdem die Entscheidung fiel, aufgebrochen. Damals befand sich Klara noch im Studium. Kunstgeschichte. Ihr Studium hatte Klara nun abgeschlossen und arbeitete in einer örtlichen Galerie. Ihr gefiel ihre Arbeit, aber außer ihr gab es nicht viel, was sie hier hielt. Außer Oma. Bevor ihre Eltern ihr neues Leben begonnen hatten, war sie bereits pflegebedürftig gewesen. Es war für alles gesorgt. Sie genoss Rundumbetreuung und Pflege. Dennoch fehlte eines: Familie.

Mehr als einmal hatten ihre Eltern sie gebeten, die Zelte in Berlin abzubrechen und zu ihnen zu stoßen. Das Magazin ihres Vaters hatte Klara angeboten, eine wöchentliche Kunst-Kolumne zu veröffentlichen. Sie könnte die Galerien der Welt bereisen, gemeinsam mit ihren Eltern.
Zugegebenermaßen, die Aufgabe, darüber zu berichten, war für sie kein Leichtes. Sie war sich aber sicher, dass sie zu bewältigen wäre. Jedes Mal, wenn sie zu ihrer Großmutter aufbrach, nahm Klara sich vor, mit ihr darüber zu sprechen. Sie brachte es nicht übers Herz. Zu schwer, die Schuld auf ihrem Herzen. Das schlechte Gewissen. Die Einsamkeit, in die sie ihre Großmutter womöglich stürzen würde.

Nicht nur einmal war sie wütend nach Hause zurückgekehrt. Nicht, weil ihre Großmutter je etwas gesagt hätte, dass sie erzürnt hätte. Nein, weil sie, Klara, so ein Feigling war. Sie brachte die Worte einfach nicht über ihre Lippen. Auf ihre Eltern war sie wütend. Taten die beiden, die Oma doch näherstanden als sie selbst, eben nur genau das, wonach ihnen der Sinn stand. Selbstverständlich sorgten sie für Oma. Aus der Ferne.
Am nächsten Morgen warf sie einen letzten Blick auf die Postkarte ihrer Eltern und nahm ihre Jacke. Auf dem Weg zur U-Bahn, legte sie sich ihre Sätze gedanklich abermals zurecht:
„Oma, ich liebe Dich aber ich möchte diese Chance nicht verpassen“,
„Bitte weine nicht, ich komme dich so oft es geht besuchen“,
„Ich habe lange gezögert, die Entscheidung aber nun getroffen.“
Als sie den Schlüssel in der Haustür ihrer Großmutter drehte, schlug Klaras Herz bis zum Hals. Anne-Marie, Omas Pflegerin, erwartete sie bereits in der Diele, um ihr die Jacke abzunehmen.
„Geh nur rein zu ihr, Klara. Sie erwartet dich bereits“, sagte sie fröhlich.
Durch die beiden weißen Flügeltüren ging Klara ins Wohnzimmer der alten Dame, die mit dem Rücken zu ihr gerichtet, vor dem großen Fenster saß.
„Mein Kind, wie schön, dass du kommst“, sagte sie. Sie drehte sich in ihrem Rollstuhl herum und schenkte Klara ein engelsgleiches Lächeln. Draußen flog das bunte Herbstlaub umher.
„Ich, ich freue mich auch, Oma“, presste sie hervor.
Wie konnte sie nur? Genau, sie konnte nicht.

Dankbarkeit ist manchmal ein Band, oft aber eine Fessel.
Johann Wolfgang von Goethe

Nichts – Teil 3

Aus Dunkelheit wurde Licht.
Meine Glieder, sie schmerzten,
voller Dankbarkeit, nahm ich es an, das Elend.

Stimmen erklangen,
wie Musik, eine war besonders.
Wunderschön, sanft und ganz nah.

Eine Hand auf der meinen,
ich erkannte dieses Gefühl.
Dies war die Hand, die mich so oft gehalten hatte.

Der Sturm vorbei,
das Nichts im Wandel der Zeit.
Auf in eine bessere Ära.

Liebe, die mich traf
überlagerte jeglichen Schmerz.
Liebe, die ich gab, löschte all mein Elend aus.

Verschwommen meine Sicht,
die allmählich zu mir zurückkehrte,
sie kam tröpfelnd, wie sanfter Regen.

Die Augen, in die ich blickte,
das Gesicht, das ich nun vor mir sah,
mir war es, als kannte ich es,
als hätte ich diesen Moment bereits erlebt.

Tränen liefen über das Gesicht,
wie damals, ganz genau wie damals.
Dieser Erinnerung mein ganzes Leben beraubt,
wusste ich jetzt genau, ich hatte sie bereits erlebt.

„Mein Kind“, sagte sie.
„Mama“, wollte ich sagen, doch meine Stimme war noch nicht bereit.
„Mein Schatz, ich wusste Du schaffst es“,
„Mama, ich liebe Dich“, waren die Worte,
die meine Lippen stumm formten.

Alles auf Anfang.
Nicht ein neues Leben, sondern meins.
Dennoch beginnt es neu, schwach und klein.
Die Szene fast gleich, voller Hoffnung.

Das Licht, das stärker war als die Dunkelheit.
Errettet aus dem Meer des Nichts.
Es war die Hoffnung, die überwog,
denn zu allerletzt starb sie nicht.

Nichts – Teil 2

Der Schmerz brennt meine Brust hinab, und ich könnte nicht glücklicher sein.
Hier ist es, ein echtes Gefühl, ich brenne!
Ein weiterer Atemzug, der Schmerz unerträglich.
Er steigt hinauf in meinen Kopf, ich kann ihn spüren, er hämmert und vibriert.
Meine Glieder reißen, der Schmerz lässt nicht nach.
Fülle meine Lungen erneut mit Sauerstoff. Immer stärker, die Flammen in meiner Brust.
Das Zucken meiner Arme, ich kann es nicht kontrollieren.
Jegliche Qual, erträglicher als das Nichts in dem ich war.

Gebettet in körperlichem Elend, kommt meine Erinnerung wieder.
Wie ein Donnerschlag. Ein Tag am Meer windig und trüb. Mit Sand unter meinen Füßen führte mich mein Weg am Strand entlang. Wolken zogen düster vorbei, bis sie sich bündelten. Schwärzer wurden. Stärker und härter wurde der Sturm, ich wollte umkehren. Das hätte ich längst tun sollen.
Auf dem Absatz machte ich kehrt. Ich sollte etwas schneller gehen, als ich gekommen war. Die Welt schien unterzugehen.
Ich blickte auf die raue See. Die Wellen tobten, Blitze zischten über sie hinweg.
Das Pfeifen des Sturms in meinen Ohren, war es mir, als hörte ich Schreie.

Ich suchte die Wellen ab, meine Sicht verschwommen, von Regen und Sand, welche mir unnachgiebig ins Gesicht peitschten. Dort sah ich es, direkt vor mir, tatsächlich aber kilometerweit entfernt. Beinahe hätte ich es übersehen. Dort ertrank ein Mensch. Geistesgegenwärtig sah ich mich um: „Hilfe! Wir brauchen Hilfe!“ rief ich aus Leibeskräften. War der Strand zuvor voller Menschen, so war ich nun allein. Nicht eine Menschenseele in Sicht. Ich musste helfen! Streifte meine Jacke und Schuhe ab, während ich in Richtung Meer stolperte.
„Ich komme, ich komme Ihnen zu Hilfe!“ schrie ich.
Im Wasser angekommen, merkte ich, dass die Rettung beschwerlicher werden würde als ich angenommen hatte. Die Wassermassen pressten sich von allen Seiten gegen meine Glieder. All meine Kraft legte ich in Arme und Beine und schwamm.
Endlos erschien mir die Zeit, in der ich mich auf den in Not Geratenen zu bewegte.
Zuviel Wasser schluckte ich, trieb mich an, von Husten geschüttelt.
Als ich mein Ziel erreichte, erkannte ich die junge Frau, die nun nicht mehr schrie.
Sie trieb still in den hohen Wellen.
Kam ich zu spät? Beim Versuch sie zu fassen, bemerkte ich die Schwere ihres Körpers. Wie sollte ich sie und mich zurück ans Ufer bringen?
Ich schlang beide Arme um ihre Schultern, schwamm rückwärts.
Von der nächsten unaufhaltsamen Welle erfasst, fühlte ich das Wasser, das meine Lungen füllte. Ich hielt sie fest, drückte sie an mich.
Unter Wasser öffnete ich meine Augen. Die Aussichten in jeglicher Hinsicht pechschwarz. Meine Erinnerung, hier schwimmt sie davon. Von hier an war nichts.
War ich nicht mehr?

Der Schmerz des Atmens – vermutlich nur ein Hirngespinst – gab ich ihm dennoch eine weitere Chance. Ich konzentrierte mich nun auf nichts Anderes, ließ die Erinnerung ziehen. Weit fort. Er kam zurück, der brennende Schmerz. Strömte nun auch aus meinen Augen wie salziges Wasser. Doch als es schien, als wäre jede weitere Minute in Qual mein sicheres Ende, atmete ich weiter.
Immer weiter.

Nichts – Teil 1

Unsere Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit. Ich jedenfalls kann das gerade in diesem Moment, der schon unzählige Momente andauert, nicht bestätigen.
Alles, was ich sehe, ist schwarz. „Bin ich noch am Leben?“ frage ich mich.
Dort ist kein Geräusch, das an meine Ohren dringen könnte. Nichts. Man könnte sprichwörtlich eine Stecknadel fallen hören. Jeden Luftzug könnte man spüren, wenn dort einer wäre. Absolute Stille, Dunkelheit. Trostlosigkeit würde ich es nicht nennen. Es ist ein perfektes Nichts.
Außer meiner Erinnerung gibt es nichts, und auch jene findet nur tröpfelnd – wie sanfter Regen – den Weg zu mir.
Tausende Versuche habe ich unternommen, mich zu bewegen. Mein Körper – sofern dieser noch am Leben ist – gehorcht mir nicht. Meine Glieder – ich kann sie nicht spüren.
Vielleicht wurde ich lebendig begraben? Die Definition von „lebendig“ erscheint mir kompliziert.
Hörte ich einfach auf, zu sein? Schlagartig, ohne jede Vorwarnung?
Ich war doch nicht krank? Meine Erinnerung kommt in winzigen Bruchteilen zurück.
Nein, krank war ich nicht. Doch bin ich es jetzt?
Ein Unfall vielleicht? Nein, aber sicher bin ich nicht.
Habe ich jemals existiert? Ja, ich habe sogar gelebt. Glücklich.
Ist das mein Ende? Vielleicht. Vielleicht habe ich das Ende auch verpasst. So wie den Anfang.

Bei allen Versuchen, die ich unternommen habe, seitdem ich mich in diesem Zustand befinde, gab es einen, den ich nicht gewagt habe: Atmen.
Es kam mir nicht einmal in den Sinn, einen Atemzug zu versuchen. Zu hoffen, meine Lungen würden sich mit Sauerstoff füllen, diesem Dasein ein Ende setzen oder einen neuen Anfang.
Was hatte ich zu verlieren? Außer dem Nichts, in dem ich schwebte.

Würde die Realisation, dass es für mich keinen weiteren Atemzug gibt, mich traurig machen? Trauriger als jetzt könnte ich doch wahrhaftig nicht sein.
Ich musste es wagen. Weitere Bruchstücke fügten sich meiner Erinnerung hinzu.
Es war mir, als schmeckte ich Salz auf meiner Zunge.
Ist es mein Gehirn, das mir nun Empfindungen vorgaukelt, um mir den Abschied zu erleichtern?
Wind kann ich spüren. Keine leichte Brise, es ist ein gewaltiger Sturm.
Es fühlt sich an, als schleuderte der Sturm scharfe Splitter; sie schneiden in mein Gesicht.
Das Pfeifen des Windes, es saust durch meine Ohren. Ich möchte sie zuhalten, meine Glieder, sie verweigern mir weiter ihren Dienst. Die Erinnerung, sie verschwimmt. Vom Sturm fortgetragen, nicht allmählich, sondern mit einem einzigen Windstoß. Fort ist sie. Was bleibt, ist Dunkelheit und quälende Stille.

Ich muss atmen. Falls ich kann.
Wie viele Tage und Stunden ich gehadert habe, kann ich nicht sagen.
Das Gefüge Zeit, nicht mehr mit mir verwoben. Nicht greifbar.
Nun, da ich bereit bin, frage ich mich, ob man jemals vergessen kann, wie man atmet.
Zu lange gegrübelt, Chance verpasst?
Alle Kraft, die ich aufbringen kann, muss ich nun bündeln, ich weiß keinen anderen Weg, deshalb spreche ich in Gedanken: „Atme, nun atme schon!“

Stille.
Dann ein Zischen.
Was nun?