Liebe

Unhörbar

Unhörbar, Eure Gedanken, die bei mir sind.
Mich begleiten, Schritt für Schritt.
Immer da, die Sicherheit, die mich umgibt.

Nicht greifbar, unbeschreiblich,
ich weiß, Ihr seid da.
Einen Anruf, eine Nachricht entfernt.

Als ich aus meinem Wagen steige,
ein letzter Blick auf Eure Zeilen,
ich weiß, ich bin zwar allein,
dennoch nehme ich Euch mit.

Ihr wisst, eine andere Entscheidung
gibt es für mich nicht, diesen Weg muss
ich gehen. Wünscht Euch das Beste
für mich, seht meinen Schmerz,
wollt dennoch mit mir gehen.

Mein Ziel, so weit entfernt,
die eine Liebe, die mich treibt,
es ist auch Eure, die mich trägt.

Diesen Krieg kann niemand
anderes führen als ich.
Eure Hände gebunden,
so arbeite ich daran, ein Entfesselungskünstler
für die meinen zu werden.

Ohne Worte, bin ich versichert,
hinter mir steht eine Armee,
die den Kampf gerne gewinnen
würde, für mich.

Meine Armee, mein Schutz
und mein Schild.
Die unglaublichen Menschen
in meinem Leben, die meine
Familie, meine Freunde sind.

Als Krieger, unhörbar,
Euer Wort fände auf meinem
Schlachtfeld kein Gehör.

Laut und stark in meinem Herzen,
wissend, es warten Niederlagen auf mich.
Mir Eurer sicher, wenn mein Haupt sich
erschüttert senkt.
Gewiss, ich stehe wieder auf.
Sehe Euch an, jeden Tag,
voller Dankbarkeit und Stolz.

Den Krieg würde ich führen,
auch ohne Euch, hinter mir,
ohne Eure Flügel, die mich tragen,
mir Rückenwind geben.

Gesegnet wurde ich ganz gewiss,
unhörbare Flügelschläge
bringen mir Eure Kraft,
Eure Liebe,
Euren Mut.
Mögen sie von außen auch unhörbar sein.

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Warte

Warte nicht auf den Moment,
auf Magie, auf die Erleuchtung.

Warte nicht auf die große Liebe,
Gutes liegt oft so nah.

Warte nicht auf Perfektion,
sie ist nur ein Märchen.

Warte nicht auf das Glück,
sei glücklich, im Hier und Jetzt.

Warte nicht auf die zündende Idee,
gehe los, finde Inspiration.

Warte nicht auf das Klingeln des Telefons,
nimm den Hörer, und schreite selbst zur Tat.

Warte nicht auf morgen, heute, jetzt und
hier ist der Tag.

Warte nicht, Du verpasst sonst etwas.
Warte nicht, die Zeit rennt davon.
Warte nicht, dass alles gut wird.
Lebe jetzt!
Auch wenn diese Ratschläge nicht falsch sind, so sind sie dennoch nicht richtig.

Der, der an Magie glaubt, ist bereit darauf zu warten.
Die große Liebe liegt manchmal nicht im Bekannten.
Perfektion nicht zu erwarten, aber zu erstreben.
Glück im Hier und Jetzt, jedoch nicht um den Preis des großen Glückes willen.
Gefundene Inspiration, womöglich der Weg zur zündenden Idee.
Der Anruf, auf den Du wartest – vielleicht braucht er Zeit.
Heute ist einer Deiner Tage, morgen könnte jedoch „der Tag der Tage“ sein.

Warte. Wer warten kann, weil er will, ist unbezwinglich.

Dankbar

„Sie hat so viel für mich getan. Ich darf sie nicht im Stich lassen!“ sagte sich Klara,
beim Abstreifen ihrer Jacke und Schuhe. Gerade war sie vom Besuch bei ihrer Großmutter zurückgekehrt. Auf dem kleinen Tischchen in der Diele ihrer Wohnung lag noch immer die Postkarte, die ihre Eltern geschickt hatten. Diese war aus Malta, es war eine unter vielen.

Klaras Vater war erfolgreicher Auslandskorrespondent einer der renommiertesten Onlinemagazine Europas. Vor wenigen Jahren hatte er seinen Redaktionsjob in Berlin gegen diese Aufgabe eingetauscht. Ihre Mutter und er waren bereits Wochen, nachdem die Entscheidung fiel, aufgebrochen. Damals befand sich Klara noch im Studium. Kunstgeschichte. Ihr Studium hatte Klara nun abgeschlossen und arbeitete in einer örtlichen Galerie. Ihr gefiel ihre Arbeit, aber außer ihr gab es nicht viel, was sie hier hielt. Außer Oma. Bevor ihre Eltern ihr neues Leben begonnen hatten, war sie bereits pflegebedürftig gewesen. Es war für alles gesorgt. Sie genoss Rundumbetreuung und Pflege. Dennoch fehlte eines: Familie.

Mehr als einmal hatten ihre Eltern sie gebeten, die Zelte in Berlin abzubrechen und zu ihnen zu stoßen. Das Magazin ihres Vaters hatte Klara angeboten, eine wöchentliche Kunst-Kolumne zu veröffentlichen. Sie könnte die Galerien der Welt bereisen, gemeinsam mit ihren Eltern.
Zugegebenermaßen, die Aufgabe, darüber zu berichten, war für sie kein Leichtes. Sie war sich aber sicher, dass sie zu bewältigen wäre. Jedes Mal, wenn sie zu ihrer Großmutter aufbrach, nahm Klara sich vor, mit ihr darüber zu sprechen. Sie brachte es nicht übers Herz. Zu schwer, die Schuld auf ihrem Herzen. Das schlechte Gewissen. Die Einsamkeit, in die sie ihre Großmutter womöglich stürzen würde.

Nicht nur einmal war sie wütend nach Hause zurückgekehrt. Nicht, weil ihre Großmutter je etwas gesagt hätte, dass sie erzürnt hätte. Nein, weil sie, Klara, so ein Feigling war. Sie brachte die Worte einfach nicht über ihre Lippen. Auf ihre Eltern war sie wütend. Taten die beiden, die Oma doch näherstanden als sie selbst, eben nur genau das, wonach ihnen der Sinn stand. Selbstverständlich sorgten sie für Oma. Aus der Ferne.
Am nächsten Morgen warf sie einen letzten Blick auf die Postkarte ihrer Eltern und nahm ihre Jacke. Auf dem Weg zur U-Bahn, legte sie sich ihre Sätze gedanklich abermals zurecht:
„Oma, ich liebe Dich aber ich möchte diese Chance nicht verpassen“,
„Bitte weine nicht, ich komme dich so oft es geht besuchen“,
„Ich habe lange gezögert, die Entscheidung aber nun getroffen.“
Als sie den Schlüssel in der Haustür ihrer Großmutter drehte, schlug Klaras Herz bis zum Hals. Anne-Marie, Omas Pflegerin, erwartete sie bereits in der Diele, um ihr die Jacke abzunehmen.
„Geh nur rein zu ihr, Klara. Sie erwartet dich bereits“, sagte sie fröhlich.
Durch die beiden weißen Flügeltüren ging Klara ins Wohnzimmer der alten Dame, die mit dem Rücken zu ihr gerichtet, vor dem großen Fenster saß.
„Mein Kind, wie schön, dass du kommst“, sagte sie. Sie drehte sich in ihrem Rollstuhl herum und schenkte Klara ein engelsgleiches Lächeln. Draußen flog das bunte Herbstlaub umher.
„Ich, ich freue mich auch, Oma“, presste sie hervor.
Wie konnte sie nur? Genau, sie konnte nicht.

Dankbarkeit ist manchmal ein Band, oft aber eine Fessel.
Johann Wolfgang von Goethe

Nichts – Teil 3

Aus Dunkelheit wurde Licht.
Meine Glieder, sie schmerzten,
voller Dankbarkeit, nahm ich es an, das Elend.

Stimmen erklangen,
wie Musik, eine war besonders.
Wunderschön, sanft und ganz nah.

Eine Hand auf der meinen,
ich erkannte dieses Gefühl.
Dies war die Hand, die mich so oft gehalten hatte.

Der Sturm vorbei,
das Nichts im Wandel der Zeit.
Auf in eine bessere Ära.

Liebe, die mich traf
überlagerte jeglichen Schmerz.
Liebe, die ich gab, löschte all mein Elend aus.

Verschwommen meine Sicht,
die allmählich zu mir zurückkehrte,
sie kam tröpfelnd, wie sanfter Regen.

Die Augen, in die ich blickte,
das Gesicht, das ich nun vor mir sah,
mir war es, als kannte ich es,
als hätte ich diesen Moment bereits erlebt.

Tränen liefen über das Gesicht,
wie damals, ganz genau wie damals.
Dieser Erinnerung mein ganzes Leben beraubt,
wusste ich jetzt genau, ich hatte sie bereits erlebt.

„Mein Kind“, sagte sie.
„Mama“, wollte ich sagen, doch meine Stimme war noch nicht bereit.
„Mein Schatz, ich wusste Du schaffst es“,
„Mama, ich liebe Dich“, waren die Worte,
die meine Lippen stumm formten.

Alles auf Anfang.
Nicht ein neues Leben, sondern meins.
Dennoch beginnt es neu, schwach und klein.
Die Szene fast gleich, voller Hoffnung.

Das Licht, das stärker war als die Dunkelheit.
Errettet aus dem Meer des Nichts.
Es war die Hoffnung, die überwog,
denn zu allerletzt starb sie nicht.

Die Uhr

„Sieh Dich nicht um“, sagst Du zu mir, ziehst mich an Dich heran.
„Wo sollte ich hinsehen, außer zu Dir?“ frage ich.
Ich spreche es nicht aus, Du weißt, was ich denke.

Die Zeit rast, in der nur Du und ich sind. Niemand sonst.
Der Zeiger der Uhr ist neben Deinen Augen, das einzige,
was meinen Blick auf sich zieht.
Unnachgiebig rückt er vor, ohne Geräusch.

Ich lege meinen Kopf auf Deine Schulter,
sauge all´ Deine Wärme ein.
Kämpfe gegen den Drang, erneut auf den Zeiger zu sehen.
So unnachgiebig wie er vorrückt, so intensiv das Stechen
in meiner Brust.

Mir schnürt es die Kehle zu, immer enger.
Verwundert, dass ich noch aufrecht sitze,
weiß ich, Du bist es, der mich stützt.
Schuldgefühl steigt in mir auf; sollte nicht ich es sein,
die Dich stützt?

Unsere Zeit läuft, viel zu schnell läuft sie ab.
Entgegen dem Moment, in dem sie kommen werden,
uns ein paar letzte Minuten geben, Minuten.
Meine Hände zittern, ich weiß nicht weiter.

Ich will schreien, dennoch bleibe ich stumm.
„Ich liebe Dich“, ist alles was ich zu sagen habe.
Ich will weinen, will Dir jedoch keine Sorge bereiten.
„Ich liebe Dich“, Tränen laufen über mein Gesicht.
Ich kann sie nicht aufhalten.

Du hältst mich ganz fest, so dass ich stehen kann.
Ohne Dich kann ich nicht stehen.
Ich muss.
Solange, bis unsere Zeit stillsteht.
Ich kann.
Bis diese Uhr nicht mehr lautlos tickt.
Ich will.
Ich will unsere Unendlichkeit.

Bis die verdammte Uhr für immer schweigt.

Verlass‘ Dich auf mich

Dein zufriedenes Schnurren ist es, was mich glücklich macht,
ich streiche über Dein weiches Fell.
Du bist wach, siehst mich, wie ich bin.
Schmiegst Dich an, an mich. Küsst mein Gesicht.

Kommst mir entgegen, wenn ich nach Hause komme.
Freust Dich, mich zu sehen. Deine Körpersprache zeigt es.
Forderst mich auf zum Spiel, bekommst nicht genug davon.
Du bist so glücklich, ich bin es auch.

In meinem Arm schläfst Du ein, zufrieden, als wäre das hier
das Paradies. Ja, so ist es.
Sanft küsse ich Deinen Kopf: „Ich habe Dich lieb“, flüstere ich.
Du machst mich glücklich, liebst mich einfach so.

—-

Freudig springst Du in die Höhe, Dein Lächeln voller Jubel.
Körpersprache, rein und ehrlich.
Du hast gewartet auf mich,
würdest warten, egal, wie lange es dauert.

Du verstehst nicht, warum ich manchmal gehen muss.
Manchmal winselst Du leise, wenn ich Dich zu Hause zurücklasse.
Ich weiß, es geht Dir gut, auch wenn ich nicht da bin.
Mein Herz schmerzt trotzdem, ich weiß Du vermisst mich.

Weit sind Deine Sprünge, über endlose Felder.
„Das muss der Himmel sein“, lese ich in Deinem Blick.
Glücklich wälzt Du Dich im Gras, sprintest erneut los.
Ich pfeife, Du kommst zurück zu mir.
Zu mir.

—-
Du hast mich schon von weitem gesehen,
meinen Wagen gehört.
Körpersprache, ehrlich und echt.
Ich strecke meine Hand aus nach Dir,
sehe die Liebe in Deinem Blick.

Ich steige über den Zaun,
gehe auf Dich zu,
Du weißt nicht, wie groß und stark Du bist.
Schmiegst Dich an, so dicht wie möglich,
schnaufst zufrieden.

Auf Deinem Rücken und wir fliegen.
Du hast Deinen eigenen Plan,
gehorchst aber, die Ohren gespitzt.
Glücklich, dass wir beide eine Reise machen,
Du und ich. Wir fliegen.


Verlass Dich auf mich, ich werde Dir alles geben was ich kann.
Lasse Dich nicht allein, liebe Dich, mit ganzem Herzen.

Bis Deine Kraft nicht mehr ausreicht, mich zu tragen,
Du nicht mehr aufstehen kannst.
Bis Dein letztes Schnurren erklingt, Dein Blick verschwimmt,
Du müde bist, vom Leben.
Bis Dein letzter Spaziergang kommt, Du nichts mehr essen möchtest.
Dein Spielzeug unberührt bleibt.

Wenn sie sagen, Du kannst nicht mehr,
ich muss entscheiden.
Der Abschied wird mein Herz entzweien,
möchte nicht ohne Dich sein.
Werde Dich dennoch gehen lassen, wenn ich muss.
Ich bleibe bei Dir, bis zum Schluss.
Dich für immer lieben. Für immer und immer mehr.
Ich werde wissen, ich hatte das Paradies mit Dir.
Werde wissen, genau das ist es, was ich Dir gab.
Alles.

Verlass Dich auf mich, ich werde da sein,
wenn Dein Atem stirbt.
Dich halten und Dich lieben.
Dir sagen „Danke, für die Zeit im Paradies“,
beten, dass wir uns wiedersehen.
Ich weiß, dort wo die reinen Seelen sind, dort gehst Du hin.
Verlass Dich auf mich, mein Bestes werde ich geben,
damit ich auch dorthin kommen darf.

Wie stark bist Du?

Das könnte ich nie, dazu bin ich zu schwach.
Zu schwer die Last, zu hoch der Preis.
Nein, niemals könnte ich das stemmen,
will es lieber nicht versuchen.

Der Weg ist zu weit, da würde ich ein Leben lang brauchen,
um ihn zu gehen. Lieber trete ich ihn nicht an.
Warum geben, was schon vergeben ist?
Zu weit in der Ferne liegt das Ziel,
deshalb ist es nicht mehr das meine.

Ich liebe Dich, aber ich kann nicht mehr.
Zuviel ist zu viel, bei aller Liebe,
das kann so nicht weitergehen.
Wahrhaftig meine Liebe,
der Weg zu beschwerlich, meine Kraft reicht nicht aus.

Ich kann nicht wieder aufstehen,
der Scham nicht ins Gesicht sehen,
bin gefallen und bleibe liegen.
Der Fall zu tief, die Enttäuschung zu groß.
Zu hart der Schlag, k.o.

Weißt Du, wie stark Du bist?
Hebe sie an, die Last, halte sie, Du schaffst das.
Geh´ weiter, entgegen dem Ziel, das so weit entfernt liegt.
Liebe mehr, immer weiter. Lass sie nicht ziehen, die Liebe.
Steh auf, das war kein „K.o.“, mach weiter!

Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat.
-Johann Wolfgang von Goethe-

Komm darüber hinweg!

Hast auch Du Dich schon einmal gefragt, wie es wohl wäre, in einer Welt, in der niemand sagen würde: „Komm darüber hinweg!“? So als wäre es das Wichtigste und das am meisten wegweisende, was dir jene Person mit auf den Weg geben könnte. Als würde es etwas ändern. Ich habe mir diese Frage schon oft gestellt, auch wenn mir jener Satz nicht häufig gesagt wurde. Zumindest nicht ins Gesicht.

Der Grund weshalb ich darüber nachdachte, ist, dass ich mich mehrmals dabei ertappte, ihn aussprechen zu wollen. Vielleicht tat ich es auch, wenige Male. Dabei erlaube ich mir zu sagen, es geschah nicht, um meine Mitmenschen zu verletzen. Nein, eher um mich selbst zu schützen. Zu schützen vor der Überhäufung mit Problemen anderer, Menschen, die mir nahestehen und mir viel bedeuten. Für die ich Brücken bauen würde, könnten sie anders nicht mehr zu mir gelangen. Die ich schätze, die ich von Herzen liebe.

In diesen Momenten wünschte ich, ich hätte sagen können:
„Ich verlange nicht, dass du einfach so darüber hinwegkommst. So als wäre es ein kleiner Sprung, nichts weiter. Was ich Dir wünsche ist, dass du einen Weg findest. Den richtigen Weg für Dich. Ich möchte Dir helfen, weil ich Dich liebe. Die Belastung durch Deine Probleme trage ich, weil ich Dich liebe. Grenzen, die ich ziehe, wenn ich nicht mehr geben kann, sind nicht die Grenzen meiner Liebe, sondern mein Schutzschild. Lasse ich diesen fallen, so hieße das für mich, ich falle. Mein eigenes Leben steht hinten an, wenn Du erwartest, dass Deines wichtiger ist. Ich kann Dich nicht mehr lieben als mich selbst. Ich kann nicht mehr geben als ich habe und ich hoffe, Du verstehst.

… und ich wünsche mir, dass Du mir glaubst, ich weiß, es ist nicht leicht.
Ich weiß, etwas treibt Dich um.
Ich weiß, es ist vermutlich nicht das Ende der Welt, aber darf ich das wahrhaftig beurteilen?
Ich weiß, Du hast keine Lösung, greifst nach jedem Strohhalm.
Ich weiß, Du wünschst Dir, ich könnte sie Dir präsentieren. Ich hätte sie, gleich hier, sicher verwahrt.
Hätte ich die Lösung, so wäre sie Dein. Der Weg aber ist es, der mir schwerfällt.
Die Enttäuschung in Deinem Blick, weil Du Dir mehr erhofft hast, von mir.“

Das werde ich sagen. Heute und in Zukunft.
Verbannen wir „Komm darüber hinweg!“.
Für immer.


Nein, so ein Mädchen bin ich nicht!

Als Tim und Lisa auf dem Heimweg nach der 6. Stunde waren,
bemerkte Lisa etwas an Tim, dem Jungen, den sie schon ihr ganzes Leben kannte.
Er wirkte verändert. Sie musterte ihn argwöhnisch.
„Was ist los, Schwachkopf?“ fragte sie und kniff ihn in die Seite.
„Nichts, du blöde Nuss, was soll schon sein?“ gab er lachend zurück, bemüht, nicht zu stolpern.
„Bist du etwa auch verliebt in sie, in Maria? Ich hab´ gesehen, wie ihr Jungs sie anseht“ bohrte Lisa weiter, während sie ihren Rock zurechtrückte.
„Nein, Maria interessiert mich nicht. Ganz ehrlich“, gab Tim mit einem breiten Lächeln zurück.
Den Rest des Weges gingen beide stumm nebeneinander her, beinahe im Gleichschritt.
Jedes Mal, wenn Tim vermeintlich zu Reden ansetzte, wurde Lisa ein wenig langsamer und sah ihn an. Er sagte jedoch nichts weiter. An ihrer Haustüre angekommen, verabschiedete er sich mit einem Nicken. Nichts weiter, ein Nicken.

,Nein, so ein Mädchen bin ich nicht!´ schrieb sie an diesem Abend in ihr Tagebuch, nichts weiter. Tagelang folgte kein weiterer Eintrag. Sie war beeindruckt von dem Mädchen, dass ein jeder mochte. Beeindruckt und voller Abneigung zugleich. ;Maria, das Mädchen, das mit allen lacht´, schrieb Lisa Wochen später in ihr Tagebuch.

Der Club bebte, die Menschen auf der Tanzfläche rasteten förmlich aus. Lisa war mit Sophie gekommen, eine ihrer Kommilitoninnen. Nur hatte sie Sophie schon seit mindestens zwei Stunden nicht gesehen. Wo steckte sie nur? Hinter der Tanzfläche, im Raucherbereich, glaubte Lisa Sophie ausgemacht zu haben. Kein Mädchen konnte so grazil und dennoch verführerisch tanzen.
Als sie näherkam, erkannte sie, dass sie recht gehabt hatte. Dort war sie, tanzend, laut lachend, als würde sie mit der Musik tanzen und gegen sie ankämpfen.
„Lisa, Lisa, komm her! Ich muss dir jemanden vorstellen!“ rief sie, als sie Lisa im Getümmel entdeckte. Ihr wildes Gestikulieren sollte einladend wirken.
„Ja, hier bin ich“, sagte Lisa. Sophie zog einen jungen Mann am Arm an sie heran, drückte ihn und gab ihm ein Küsschen auf die Wange, als sie brüllte: „Das ist Ben, dieser nette junge Mann ist Ben.“ Lisa wartete auf die Pointe des Satzes, vergebens. So, das war also Ben. Schon war Sophie wieder in ihrem Element. Sie hob ihr Glas, sie wippte, sie nickte, sie lachte. Ein Zwinkern in ihre Richtung verriet Lisa, dass sie es ihr gleichtun sollte. Lisa wippte.
Während sie im Taxi nach Hause saß, dachte Lisa über Sophie nach. Sie bewunderte sie ganz aufrichtig, gleichzeitig empfand sie eine Art von Abneigung. Warum nur? Fühlte sie sich so überlegen, dass sie nicht umhinkonnte, Mädchen zu klassifizieren, sie zu bewerten? Das war nicht in Ordnung. Absolut nicht. Dennoch, sie war nicht „so ein Mädchen“.

Es war ein erfolgreicher Tag für Lisa gewesen. Gleich zwei ihrer Artikel waren in der Zeitung, für die sie arbeitete, auf Seite eins erschienen. Die Kollegen überhäuften sie mit Komplimenten. Lisa war sichtlich stolz, sie freute sich über all die Komplimente. Über jedes liebe Wort, über die Aufmerksamkeit. Als sie spät abends im Bett lag, überlegte sie, was sie in ihr Tagebuch schreiben würde, wenn sie es denn noch führen würde. All die Jahre hatte sie sich gesagt, was für „ein Mädchen“ sie nicht sein wollte. Nun fragte sie sich: ‚Was für ein Mädchen möchte ich denn stattdessen sein?‘ Sie betrachtete die leuchtenden Sterne an ihrer Schlafzimmerdecke, und auch wenn sie es albern fand, dass ihr Vater sie für sie angebracht hatte, liebte sie sie dennoch.
Waren sie doch ein Teil ihrer Kindheit, ein Stück zu Hause, weitab von zu Hause.
Lisa fiel in einen tiefen Schlaf und wurde durch die Klingel ihrer Tür geweckt. Erschrocken fuhr sie auf. Es musste etwas Furchtbares passiert sein! Warum sonst klingelte jemand am frühen Sonntagmorgen, auch noch ohne vorher anzurufen? Sie warf sich ihren Morgenmantel über die Schulter und rannte zur Sprechanlage: „Ja, ja, hallo, wer ist da?“ fragte sie aufgeregt. Stille. „Hallo?“ fragte sie ein weiteres Mal. Als erneut keine Antwort kam, legte Lisa den Hörer der Sprechanlage auf und ging zurück ins Bett. Wohl ein paar früh ausgeschlafene Kinder, die ihren Spaß an Klingelstreichen hatten.
Später an diesem Tag, als sie gerade daran war, eine Runde Laufen zu gehen, stolperte sie über einen dicken Briefumschlag auf ihrer Türschwelle. Auf den Schock folgte Skepsis. Lisa beäugte das kleine Paket, auf dem in Großbuchstaben nichts als ihr Name stand, mit Misstrauen. Sie schüttelte den Umschlag, versuchte zu ertasten, was darin war.
Es fühlte sich an, als sei tatsächlich nichts Anderes darin als Papier. Vorsichtig öffnete sie den Umschlag. Zu ihrer Überraschung war darin eine Ausgabe der Zeitung mit ihren Artikeln. Beide waren mit dickem Rotstift eingerahmt. Darunter eine Notiz:

Nein, Du bist und warst nie „ein solches Mädchen“.
Du musstest die Frau werden, die Du heute bist.
In Liebe,
Dein Tim

PS: Maria fand ich nie gut! Ruf an, ich bin nämlich auch kein „solcher Kerl“!

Dein Lächeln

An Deiner Hand ging ich die Straße entlang.
Ich sah auf zu Dir.
Du nahmst mich auf Deinen Arm, mit einem Lächeln.
Niemals war Dein Blick zu mir ohne jenes Lächeln.

Nicht nur jetzt sah ich die Welt, wie Du sie sahst,
oft hast Du sie mir gezeigt.
Unzählige Stunden lauschte ich dem Klang Deiner warmen Stimme.
Lauschte Geschichten, die voll Fantasie waren und solchen,
die nicht nur für uns beide, sondern für alle Welt Wirklichkeit waren.

Du warst nicht immer ein Held, jedoch immer meiner.
Viele Abgründe musstest Du sehen, Leid ertragen,
gezwungen, Wege zu gehen, die Menschen nicht einmal sehen sollten.
Du musstest wachsen, um nicht zu verlieren.
Mutig sein, weil es das Einzige war, was blieb.

Fernab von Perfektion wusstest Du, Du warst stärker als es schien.
Weit weg von Deiner Heimat war sie alles, was Dir blieb, für diesen Augenblick.
Dem Tode so oft im Angesicht, dass es für das Leben von Generationen reicht.
Warst Du nur einer unter vielen, so warst Du immer der meine.

Du bist es, von dem ich weiß,
dass Liebe keine Grenzen kennt,
wir stärker sind als wir erscheinen,
dass der Kampf sich lohnt.
Dein Mut ist, was mich treibt,
an Unmögliches zu glauben, Dein Glaube,
was mich abends einschlafen lässt.
Und am Ende war da noch Dein Lächeln, das für immer bleibt.